Zerstörte Plastik am King-Haus wird repariert


von Tageblatt-Redaktion

Steinmetz Steffen Springer beim Aufstellen der Plastik Mutter mit Kind
Steinmetz Steffen Springer beim Aufstellen der Plastik Mutter mit Kind

Recht deutlich war die Frau, die gestern auf ihrem Fahrrad am Park neben dem King-Haus entlangfuhr. „Sauerei“, meinte sie und hatte damit nicht die beiden Steinmetze Steffen und Marco Springer sowie die Mitarbeiter des städtischen Bauhofes im Visier, die hier gerade mit einem gut 600 Kilogramm schweren Stück aus Reinhardtsdorfer Sandstein beschäftigt waren. Sie meinte vielmehr jene Kraftmeier, die vor zwei Wochen die beim Bildhauersymposium 1983 entstandene Plastik „Mutter mit Kind“ der Krakauer Professorin Barbara Zambrzycka-S´Liwa umgeworfen und ihr so die beiden Köpfe abgebrochen hatten.

Der Akt der Unkultur dauerte wahrscheinlich nicht einmal eine Minute. Das Beheben der Schäden nimmt Stunden in Anspruch. Gestern richteten Springers zunächst den Torso wieder auf. Er wurde nicht nur mit Zementmörtel am Fundament befestigt. Ein Bolzen aus Edelstahl wirkt nun zusätzlich als Anker. Die Methode ist bewährt. Die Lautaer Steinmetze haben ja leider Erfahrung mit der Beseitigung von Vandalismus-Schäden an Plastiken. „Das ist eine traurige Angelegenheit“, sagt Steffen Springer, der Jürgen von Woyski einst bei seinen Symposien zur Seite stand.

In den nächsten Tagen soll der Zement aushärten. Dann können die Köpfe wieder aufgesetzt werden. Auch hier sollen neben einem Spezialkleber Edelstahl-Anker zum Einsatz kommen. Es ist nicht so, dass Steffen Springer sich aus geschäftlichen Gründen über solche Aufträge der Stadt besonders freuen würde. Erstens ist er Kunstliebhaber und zweitens hat er ohnehin ausreichend zu tun: „Schäden entstehen oft durch Wasser oder Frost.“ In Hoyerswerda stehen im öffentlichen Raum etwas mehr als 150 Skulpturen. Ihr Erhalt ist nicht ganz einfach. Aktuell zum Beispiel bröckelt Jürgen von Woyskis gut 22 Jahre altes Sandstein-Taubenpaar am Schlossplatz vor sich hin.

Die Stadt wiederum kann aus bekannten Gründen nicht so viel zur Pflege ihres kulturellen Erbes beitragen, wie sie es ganz gern tun würde. „Wir suchen eigentlich ständig nach Sponsoren und Partnern“, formuliert Harry Wobst von der Kulturverwaltung. Er war nun schon zum zweiten Mal beim Aufstellen der Plastik von Barbara S´Liwa dabei. 1983, als die Bildhauer um Jürgen von Woyski im damaligen Tierpark unter dem Motto der elften Feuerbach-These von Karl Marx („Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert; es kommt darauf an, sie zu verändern.“) arbeiteten, war er nämlich Symposiums-Sekretär. Acht Künstler waren damals am Werk und die DDR ließ sich die Gestaltung des Parkes „Am Ehrenhain“ eine Stange Geld kosten. 120 000 Mark flossen für das fünfte Symposium.

Über eine ähnliche Summe verfügt die Jürgen-von-Woyski-Stiftung, die das Erbe des Hoyerswerdaer Ehrenbürgers pflegt, heute leider nicht. Ihre Vorstands-Vorsitzende Angret Gläsel schaute gestern beim Aufstellen des Sandstein-Torsos im King-Haus-Park vorbei und meinte: „Es ist wirklich schlimm, dass die Leute nicht einmal Respekt vor dem Werk von Künstlern zu haben scheinen.“ Sie musste so etwas nicht zum ersten Mal sagen – und doch, erklärt sie, zucke sie bei jedem neuen Fall von Zerstörungswut aufs Neue zusammen.

Barbara S´Liwa übrigens ist heute 60 Jahre alt, und es gibt Orte auf dieser Welt, an denen ihre Arbeit ebenso geschätzt wird wie von Springers, von Harry Wobst oder Angret Gläsel. Die Künstlerin hat mehrere hochkarätige internationale Preise gewonnen und zum Beispiel auch im British Museum in London ausgestellt. In Krakau gründete sie 1992 die Space Gallery. Ein Besuch bei ihr in der Ulica Florianska 13 wird in verschiedenen Kunst-Reiseführern dringend empfohlen.

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