Wirbel um verkaufsoffenen Sonntag

Dienstag, 14. Februar 2012

Die Filiale von Hoffmann-Möbel in Hoyerswerda.
Die Filiale von Hoffmann-Möbel in Hoyerswerda.

Der erste verkaufsoffene Sonntag des Jahres, vom Stadtrat aus besonderem Anlass zusätzlich zu den vier regulären verkaufsoffenen Sonntagen dem Möbelhaus Hoffmann-Möbel gewährt, sorgt für Wirbel.

Hoffmann-Möbel lud laut eigener Internetseite an seinen vier Standorten in Cottbus, Guben, Frankfurt/Oder und Hoyerswerda zur dreitägigen großen Frühjahrs-Hausmesse ein – Freitag bis Sonntag. Bei der Beantragung des erforderlichen verkaufsoffenen Sonntags am 10. Januar 2012 hatte man der Stadtverwaltung Hoyerswerda gegenüber angegeben, dass in diesem Rahmen die runden Jubiläen der Musikschule Hoyerswerda und des Sinfonischen Orchesters eine Rolle spielen.

Hoffmann-Möbel-Inhaber Frank Pritzsche beteuerte gestern, dass dies ohne bösen Willen geschehen sei. Sein Sohn Philipp Pritzsche, Hausleiter in Hoyerswerda, habe im Januar von der Musikschule die mündliche Zusage bekommen, dass man an diesem Tag gemeinsam etwas machen könne. Das Sinfonische Orchester sei zumindest nicht abgeneigt gewesen.

In den Antrag an die Verwaltung für den verkaufsoffenen Sonntag floss die Begründung mit den Feierlichkeiten ein. So schrieb es die Verwaltung in die entsprechende Beschlussvorlage für die Stadträte: „Diese (gemeint waren Musikschule Hoyerswerda und Sinfonisches Orchester, Anm. d. Red) feiern u.a. in den Räumlichkeiten von Möbel-Hoffmann am 12.02.2012 mit besonderen Aktionen und Ausstellungen ihr Jubiläum.“

Die Stadträte genehmigten den zusätzlichen Sonntag. Nur war da von Musikschule und Orchester bei Hoffmann-Möbel nichts zu sehen. Es gab einen Aufsteller zur Musikschule im Eingangsbereich des Möbelhauses und laut Hausleiter Philipp Pritzsche hat im Laufe des Tage eine Geigenspielerin musiziert.

Sowohl Musikschule als auch Orchester sagen ihrerseits, dass sie aus der Zeitung und dem Amtsblatt davon erfuhren, dass sie bei dem verkaufsoffenen Sonntag eine wesentliche Rolle spielen werden. Von Familie Vogel, über die der Kontakt zum Sinfonischen Orchester lief, ist zu erfahren, dass es im Januar eine Anfrage von Philipp Pritzsche gegeben habe, aber keine Zusage des Orchesters. Darüber sollte der Vorstand entscheiden. Wegen der zeitlichen Knappheit bis zum verkaufsoffenen Sonntag sagte man wenige Tage vor dem Termin ab.

Carmen Lötsch, Geschäftsführerin der Zoo, Kultur und Bildung Hoyerswerda gGmbH, zu der die Musikschule Hoyerswerda gehört, bestätigt, dass es eine mündliche Anfrage von Hoffmann-Möbel gegeben habe, aber: „Aus dieser Anfrage zu möglichen Auftritten ging weder das Datum hervor noch die Tatsache, dass wir die Begründung für den verkaufsoffenen Sonntag sind.“ Und sie betont, dass man bei solchen Veranstaltungen, egal ob Geld fließe oder nicht, im Vorfeld grundsätzlich Verträge schließe.

Also hat Philipp Pritzsche bei seinem Antrag nur einen zu hohen Einsatz gesetzt? Frank Pritzsche betont, dass Hoffmann-Möbel an all seinen Standorten gut mit Chören, Vereinen und Musikschulen zusammenarbeite und dies gerade auf der örtlichen Ebene nur selten vertraglich geregelt werde. Missbrauchen wollte man die Jubiläen keineswegs, sondern Schule und Orchester ein Podium bieten.

Im Stadtrat sieht man das alles kritisch. Ralf Haenel, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei, vertraute auf die Beschlussvorlage und sagt ebenso wie Kollege Frank Hirche von der CDU, dass es ohne Bezug zu Musikschule und Orchester keine Zustimmung für den verkaufsoffenen Sonntag gegeben hätte. Ralf Zeidler, Fraktionschef der Freien Wähler, will das für seine Fraktion so kategorisch nicht ausschließen.

Er nimmt die Verwaltung aber in die Pflicht, die den Antrag hätte prüfen müssen. Die sieht sich vom Antragsteller für diesen verkaufsoffenen Sonntag getäuscht und prüfte gestern den Vorgang. Rathaus-Sprecher Bernd Wiemer teilte das Ergebnis mit: „Wir mussten feststellen, dass eine Ordnungswidrigkeit vorliegt. Wir leiten ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein.“

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