Wenn der Kleingarten zur Brache wird


von Tageblatt-Redaktion

In der Kleingartenanlage Harmonie ist dieser freie Garten zu finden
In der Kleingartenanlage Harmonie ist dieser freie Garten zu finden

Mit ganzem Herzen ist Kurt Wolf Kleingärtner. Der Hoyerswerdaer war sogar einmal Vorsitzender des Vereins „Harmonie“ mit 125 Gärten am westlichen Rand der Stadt. Was er hier und anderswo beobachtet, macht ihm Sorge. In der „Harmonie“ stehen derzeit zwar nur vier Gärten frei. Doch zwanzig weitere gehören Pächtern, die an die 80 Jahre alt sind. Und häufig können ältere Menschen sich nicht mehr richtig um ihre Parzellen kümmern. Sie abzugeben, bringen sie aber oft auch nicht übers Herz. Denn das, was sie einmal investiert haben, ist längst nicht mehr herauszuholen.

Gärten, die einmal ihre 12 000 D-Mark wert waren, gibt Kurt Wolf ein Beispiel, gehen heute für 500, maximal 1 000 Euro weg. „Gärten werden verramscht“, ärgert er sich darüber und findet, es sei an der Zeit, endlich etwas zu tun.
„Die Marktwirtschaft ist so. Angebot und Nachfrage regeln örtlich den Preis“, sagt Reinhard Klekar. Er ist Vorsitzender des Verbandes der Kleingärtner Hoyerswerda und Umgebung e.V. Der Verband hat Grundstücke von Gemeinden, Kirchen oder Privatleuten gepachtet und gibt sie den Vereinen in Unterpacht. Diese wiederum verpachten sie an ihre Mitglieder. Die offizielle Statistik sagt, dass von den circa 3 950 hiesigen Parzellen nur 46 leer stehen. Der Verband muss sich für seine Statistik darauf verlassen, dass alle 72 Vereine die korrekten Zahlen melden. Kurt Wolf aber vermutet, dass nicht alle das tun.

Laut Bundeskleingartengesetz gehen freie Gärten in die Gemeinschaftsfläche der Vereine ein und sind auch gemeinschaftlich zu finanzieren. Und die Vereine kassieren nicht nur Pacht, die per Gesetz relativ moderat gehalten wird, sondern auch Mitgliedsbeiträge, Pachtverwaltungsgebühren, Aufnahmegebühren für Neulinge und Kompensation für nicht geleistete Arbeitsstunden. „Durch Leerstände ausfallende Pachten können von den Sparten problemlos getragen werden“, sagt Kurt Wolf. Sie würden so die höheren Kosten für die eigentlich nötige Beräumung der Parzellen sparen und könnten weiter auf Interessenten hoffen.

Das wäre zumindest eine Erklärung für seine Frage, wieso es offiziell bei drastisch gesunkener Bevölkerungszahl angeblich kaum Probleme mit Leerständen gibt. Schließlich sind in den letzten Jahren mit der „Kleinen Spree“ in Burghammer und den „Kuhn'schen Gärten“ in der Altstadt nur ganze zwei Anlagen verschwunden. „Seit der Wende hat sich das Freizeitverhalten unserer Einwohner geändert. Der Einwohnerzahl eine bestimmte Anzahl Gärten zuzuordnen, funktioniert nicht“, gibt Hoyerswerdas Dezernent Dietmar Wolf eine andere Erklärung. Allerdings prognostiziert selbst der Flächennutzungsplan der Stadt, dass 2020 nur noch Bedarf für 1 000 Gärten besteht. Parzellen im Umland abgerechnet, wäre das ein Verlust von zwei Dritteln in nur acht Jahren.

Kurt Wolf findet, es sollte langsam ein offizielles Schrumpfungsprogramm greifen. Kleinere Vereine, sagt er, könnten ihr Land entweder kaufen oder bekämen eine Frist zur Schließung gesetzt. Für größere Anlagen müsste das 2008 von der TU Dresden erarbeitete Freiraumkonzept greifen. Es sieht vor, aus leeren Kleingärten Streuobstwiesen zu machen: „Das zusammenhängende Kleingartengebiet am westlichen Stadtrand löst sich durch die Nutzungsaufgabe zu kompakten Kleingarteninseln auf.“ Dietmar Wolf sagt, Ziel sollte eine Attraktivitätssteigerung für jüngere oder sozial schwache Familien sein. „Allerdings ist bislang für die Frage des »Umbaus« noch keine Finanzierung gegeben, was den Prozess doch erschweren dürfte“, so der Baudezernent.

Und auch Reinhard Klekar sieht das Problem eher im Detail: „Zum Beispiel sind nur 40 Prozent der Kleingartenfläche in kommunalem, dagegen 60 Prozent in privatem Besitz“, sagt er. Kurt Wolf ist überzeugt, dass eine Lösung nur mit der Politik möglich sein wird. „Ich glaube, dass diese Aufgabe schnellstens angegangen werden muss, um im Raum Hoyerswerda ein gesundes Kleingartenwesen zu erhalten“, findet er.
web www.vkh-hy.de

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Kommentare zum Artikel:

Rolf LIefke schrieb am

Ich habe in der Gartensparte "Frohe Zukunft" in der Ackerstr. 31 einen Kleingarten seit Gründung der Anlage 1969. Seit zwei Jahren versuche ich, den Garten zu verkaufen aus Alters- und Krankheitsgründen, was mir aber bis jetzt nicht gelungen ist. Mir wurde gesagt, wenn ich den Garten nicht losbekomme, muß ich ihn zurückbauen lassen, kostet ca. 5000,- E! Wer soll das bezahlen? Über 40 Jahre habe ich sämtliche Kosten und Gebühren getragen, viele Arbeitsstunden geleistet von Hand und jetzt soll ich die Abrißkosten zahlen? Wie ist das in den anderen Sparten? Zudem kommt das Problem, das wir eine Viererlaube haben, d. h. vier Kleingärtner gehören zu einem Komplex mit gemeinsamem Dach, Wänden und Strominstallation. Was werden die drei anderen Gärtner dazu sagen, wenn neben ihnen eine Brache liegt, die dann völlig verunkrautet und unansehnlich ist? Ich bin der Meinung, daß dieses Problem längst auf Kreisebene gelöst werden muß, der Einzelne kann das nicht.

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