Was wird da der Altstadt beschert?


von Tageblatt-Redaktion

Das Bauprojekt im Quartier am Zoo ist bislang nur eine Art Überraschungspaket. Doch was verbirgt sich dahinter?
Das Bauprojekt im Quartier am Zoo ist bislang nur eine Art Überraschungspaket. Doch was verbirgt sich dahinter?

Mit der Neubebauung des Areals zwischen Zoo und Spremberger Straße hat es Hoyerswerda bislang nicht leicht gehabt. Der größte Traum, nämlich der von der Solargardencity, ist geplatzt. Also rücken statt attraktivem Wohnen seit Jahren immer wieder die beiden Themen Seniorenwohnanlage und Einkaufen in den Fokus. Im Gegensatz zu den vergangenen Versuchen, hier eine Bebauung hinzubekommen, scheint die Hoyerswerdaer Stadtverwaltung diesmal wild entschlossen, Tatsachen zu schaffen. Natürlich nicht selbst. Die Dresdener Projektentwicklungsgesellschaft GmbH will bauen.

Es geht um Handel, der auf jeden Fall einen sogenannten Vollsortimenter, einen Discounter, Drogeriewaren und einen Textilhändler umfassen soll. Alles in allem dürften auf dem 14 000 Quadratmeter großen Grundstück rund 4 000 Quadratmeter Handelsfläche entstehen. Trotz immer wieder aufflammender Kritik an dem Thema Handel an diesem Standort sagt Oberbürgermeister Stefan Skora, dass er genau diese Kiste aber nicht mehr öffnen werde. Das vom Stadtrat beschlossene Einzelhandelskonzept sieht an diesem Standort definitiv Handel vor.

Vor vier Jahren ist ein gleich geartetes Vorhaben an dieser Stelle noch gescheitert, nicht zuletzt an den Zweifeln von OB Stefan Skora und Baudezernent Dietmar Wolf. Da erstaunt, dass der geltende Bebauungsplan so geändert werden soll, dass hier keine altstadttypische Bebauung mehr erforderlich ist, die Gestaltungssatzung nicht mehr gilt. Im Gegensatz zu früheren Plänen gibt es bislang auch noch keine öffentlichen Pläne oder Ansichten, die zeigen, was sich der Investor hier vorstellt. Welches Überraschungsei kommt also auf die Altstadt zu?

Die Befürchtungen in der Altstadt sind groß, dass eine Marktansammlung entsteht, wie man sie von der Wittichenauer Kreuzung oder gar Bernsdorf her kennt, zu der man dort Stadtzentrum sagt. Warum aber weist man in der Hoyerswerdaer Altstadt ein Sanierungsgebiet aus, um es ausgerechnet auf einem Filetstück an der wichtigsten Zufahrtstraße zum Altstadtkern außer Kraft zu setzen? Müssen die künftigen Mieter der Spremberger Straße 11 in anderthalb Jahren feststellen, dass die Wohnungswahl ein Fehler war, weil sie auf die hässliche Rückwand eines Marktes schauen, die bei einem Vollsortimenter nicht anders aussieht als bei einem Discounter?

Wie eng die Bebauung des Areals werden soll, ahnt, wer mitbekommt, wie wichtig den Projektentwicklern ein paar Quadratmeter Land der Wohnungsgesellschaft sind, die sie für die Verkehrsfläche abtreten soll. Diese wird den Planungen zufolge möglichst nah an das neue Wohnhaus heranrücken.

Das von den Projektentwicklern geplante Altenpflegeheim soll sich am ehesten in die Architektur der Altstadt einfügen. OB Skora versicherte auf Nachfrage, dass es ohne dessen gesicherten Bau kein Grünes Licht für die Handelsgebäude geben werde. Wie die aussehen sollen, wie sich die Parkplatz auf dem Areal letztlich darstellt, ist zumindest in der Öffentlichkeit alles noch sehr diffus. Das kann sich heute ändern: Zu den geplanten Änderungen im Bebauungsplangebiet „Quartier am Zoo“ gibt es von 16.30 Uhr bis 19 Uhr im Großen Saal des Neuen Rathauses in der Frentzelstraße eine öffentliche Bürgerinformations- und Anhörungsrunde.

Zwar hat der Projektentwickler den Grundsatzbeschluss des Stadtrates zum Kauf des Areals ebenso in der Tasche wie den städtebaulichen Vertrag, doch noch keine Baugenehmigungen für die geplanten Objekte. Die können rein theoretisch vom Technischen Ausschuss immer noch verwehrt werden. Laut städtebaulichem Vertrag sind moderne Architektur und Formensprache zulässig, andererseits müssen sich diese Gebäude gut in die Bebauung der näheren Umgebung einfügen. Da finden wir das barocke Schloss, das einstige Standesamt von 1926, den Zooeingang samt Tropenhaus aus den 1990er Jahren, Wohnblöcke aus den 1960er Jahren und die unter den Maßstäben des Sanierungsgebietes neu gebaute Spremberger Straße 11. Die Auslegung dieses Passus dürfte spannend werden.

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