Wandel im Sanierungsgebiet wird preiswert


von Tageblatt-Redaktion

Hoyerswerdas Altstadt hat durch die Ausweisung als Sanierungsgebiet nur gewonnen, denn so sah der Markt vor zwanzig Jahren aus.
Hoyerswerdas Altstadt hat durch die Ausweisung als Sanierungsgebiet nur gewonnen, denn so sah der Markt vor zwanzig Jahren aus.

Es sind immer wieder die Vergleichsfotos, die einem zeigen, was man mit 28,4 Millionen Euro auf 32 Hektar Fläche machen kann. Was damit gemacht wurde, konkret im Sanierungsgebiet 1 „Innere Altstadt“. Aufnahmen, die gerade mal 20 Jahre alt sind, zeigen verworfene Kopfsteinpflasterstraßen, deren gröbste Löcher mit Asphalt zugekleistert sind. Man sieht Häuser, von denen man auf den ersten Blick nicht weiß, ob sie noch bewohnt oder schon Ruinen sind.

Auch die desolate Ufermauer in der Rosenstraße wird am Mittwoch im gut gefüllten Sitzungssaal des neuen Rathauses gezeigt. Die aktuellen Bilder gibt es dazu und die Altstädter haben sie natürlich im Kopf, von den alten hatte man einige schon aus dem Kopf verdrängt. Die Bilder sind sorgfältig ausgewählt, denn die Stadtverwaltung hat die Eigentümer der Grundstücke im Sanierungsgebiet eingeladen, um ihnen zu sagen, wie viel Geld sie gerne von den Eigentümern hätte. Als Ausgleich für die Sanierung des Altstadtkerns. Denn die ist zum größten Teil abgeschlossen.

Die unterirdische Infrastruktur ist erneuert. Straßen, Gehwege, Laternen und Parkplätze wurden neu gestaltet. Es wurde in öffentliche Gebäude investiert und die Privateigentümer investierten in Summe auch etliche Millionen in ihre Häuser. Lediglich 17 Häuser wurden bislang nicht saniert. Und das dürfte ziemlich identisch mit den sieben Prozent Wohnungsleerstand sein, die es noch in der Altstadt gibt. Doch das, was geschaffen wurde, kann jeder jeden Tag sehen. Formal abgeschlossen wird das Sanierungsgebiet Innere Altstadt Ende 2016. Erst dann werden die Ausgleichsbeiträge für die Eigentümer fällig. Per Bescheid. Man muss sie zahlen, kann dagegen freilich auch klagen. Die Gelder, die mit diesen Bescheiden von der Stadt eingenommen werden, müssen aber an die Fördermittelgeber zurückgezahlt werden.

Doch das Geld kann auch in der Stadt bleiben – aber nur, wenn die Ausgleichsbeiträge vorzeitig gezahlt werden. Sie müssen anschließend von der Stadt ausgegeben werden, und zwar ausschließlich in dem betreffenden Sanierungsgebiet. Um auch den betroffenen Grundstückseigentümern die vorzeitige Zahlung schmackhaft zu machen, gibt es ein Rabattsystem. Wer noch bis zum 31. Dezember 2012 die Zahlung seines Ausgleichsbeitrags anmeldet (gezahlt werden kann dann bis März), bekommt 20 Prozent Nachlass.

Wer sich im folgenden Jahr anmeldet, erhält immerhin noch 15 Prozent Rabatt, 2014 zehn Prozent. Später gilt der volle Betrag. Das sind für die Grundstückseigentümer zwischen 5 und 7 Euro je Quadratmeter Grundstück und damit deutlich weniger, als noch vor einem Jahr angenommen wurde. Ermittelt wurden die Beträge von der beauftragten Firma Deutsche Stadt- und Grundstücksentwicklungsgesellschaft. Mit der Erstellung der zonalen Wertgutachten als Grundlage für die Erhebung der Ausgleichsbeträge hatte die Stadt Hoyerswerda Ronald Unbehau, einen Sachverständigen für Wertermittlungen in Sanierungsgebieten, beauftragt.

Man schaute, wie sich die Bodenwerte von der Zeit nach der Wende bis heute entwickelt hätten oder haben zum einen ohne Sanierung und zum anderen mit Sanierung des Gebietes.
Die demografische Entwicklung und der in unserer Gegend nicht gerade üppige Grundstücksmarkt trugen zu der Einschätzung bei, dass zwar viel geworden ist, die Grundstückspreise aber dennoch nicht ins Unermessliche gestiegen sind. Daher kommen die Gutachter bei der Bodenwertermittlung auf relativ moderate Preise, die sich für einzelne Gebiete unterscheiden. Im Groben wurden fünf Zonen herausgearbeitet.

Für die Grün- und die Gemeinbedarfsflächen fallen keine Ausgleichsbeiträge für die Anlieger an. Bei der überwiegenden Wohn- und Mischbebauung sind es als Richtwert um die 5 Euro je Quadratmeter Grundstück, in den nicht ganz so günstig gelegenen Geschäftslagen 6 Euro und in den Hauptgeschäftslagen 7 Euro je Quadratmeter. Als Faustregel gilt: Der Betrag multipliziert mit der Grundstücksgröße abzüglich des Rabattes ist zu zahlen. Da es aber bei jedem Grundstück noch Feinheiten zu beachten gilt, ist dies nur eine Richtgröße. Per Schreiben, so sichert Baudezernent Dietmar Wolf zu, wird jeder Grundstückseigentümer bis Ende Juni 2012 über den für sein Grundstück anfallenden Betrag informiert. Den Antrag auf vorzeitige Ablöse muss dann freilich jeder selbst stellen.

Im Sanierungsgebiet Bahnhofsvorstadt ist das Prozedere bereits am Laufen. Elke Menz, Sachbereichsleiterin Sanierung bei der Stadtverwaltung, hat dort bereits einen Rücklauf von 30 Prozent der Grundstückseigentümer. Insgesamt 15 Prozent haben ihre individuelle Vereinbarung mit der Stadt unterschrieben. Nach ergangener Zahlung werden die Grundstücke aus dem Sanierungsgebiet entlassen und der Sanierungsvermerk aus dem Grundbuch entfernt. Damit ist für die Grundstückseigentümer das Thema erledigt.

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