Vor 20 Jahren wurden 30 Jahren Straßen umbenannt


von Tageblatt-Redaktion

Aus dem Platz des 7. Oktober wurde 1991 auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung der Lausitzer Platz.
Aus dem Platz des 7. Oktober wurde 1991 auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung der Lausitzer Platz.

Vor einhundert Jahren oder noch früher wurden Straßen meist danach benannt, in welche Richtung sie führten oder was man an ihnen vorfand. Kirchstraße, Schulstraße, Spremberger, Dresdener und Senftenberger Straße sind dafür auch heute noch in Hoyerswerda klare Beispiele. Je verzweigter das Straßennetz wurde, umso komplizierter wurde die Benennung. Der Zeitgeist, vor allem der politische, spielte stets eine große Rolle. Das war vor dem Krieg ebenso wie zu Nazi- oder zu DDR-Zeiten. Mit Straßennamen wurden Exempel statuiert, nicht mehr in die Zeit passende Personen durch Straßenumbenennungen ausradiert.

So stellte auch gleich im Mai 1990 die FDP-Fraktion im frisch gewählten ersten Hoyerswerdaer Nachwende-Stadtparlament den Antrag auf Straßenumbenennungen, um die zu einseitige sozialistische Prägung zu ändern. Doch die einberufene Kommission mit Friedhardt Vogel, Martin Schmidt, Manfred Kohl und Ingolf Piper wandelte nicht „Rot“ zu „Schwarz“, sondern suchte nach Namen von Persönlichkeiten, die entweder mit Hoyerswerda stark verbunden sind oder waren, oder nach Leuten, deren Verdienste über politische Deutungen erhaben sind.

 Am Ende wurden dreißig Straßen in Alt- und Neustadt neu benannt. Zusätzlich bekamen vier bis dahin namenlose Straßenabschnitte eine Bezeichnung, so die Elsterstraße, Spremberger Chaussee, Dr.-Külz-Straße und M.-Grollmuß-Straße. Der Ratsbeschluss wurde nach entsprechender großangelegter Bürgerbeteiligung am 20. Dezember 1990 gefasst. Die neuen Straßenschilder brachte man aber erst 1991 an.

Bei einigen Straßenumbenennungen rannte man offene Türen ein. Auch zu DDR-Zeiten hat in der Altstadt im Alltag zum Markt kaum jemand Platz der Roten Armee gesagt. Im Westen der Altstadt hingegen wurde die Straße Fritz-Heckert-Siedlung zwar in Freiligrathstraße umbenannt. Doch der Begriff Heckert-Siedlung ist umgangssprachlich einfach geblieben.

Andere Straßennamen wurden erst nach der Eingemeindung von Knappenrode, Zeißig, Bröthen-Michalken, Schwarzkollm und Dörgenhausen umbenannt. Da es in einer Kommune keine Namensdoppelungen geben darf, wurde immer die Straße umbenannt, in der für weniger Menschen die Papiere auf Stadtkosten geändert werden mussten. So siegte die Karl-Marx-Straße in Knappenrode über die in der Altstadt, die fortan den Namen Adolph Kolpings trug. Und Ernst Haeckel im WK I musste weichen, als für die Ehrung des verstorbenen Malers Kurt Klinkert eine Straße gesucht wurde. Es war jene, in der der Künstler auch gelebt hat. Nur mit einem Sohn tut man sich schwer: Gerhard Gundermann. (US)

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