Verkehrsverstöße am laufenden Band

Freitag, 10. Februar 2012

Einfahrt verboten - aber wen interessiert das schon?
Einfahrt verboten aber wen interessiert das schon

Es ist ein sonniger Nachmittag, als ein blauer Audi mit Bautzener BKennzeichen, aus der Rosa-Luxemburg-Straße in Hoyerswerda kommend, quer über die Kolpingstraße schlenkert und in der Senftenberger Straße verschwindet. Zehn Minuten später biegt aus der Kolpingstraße ein schwarzer VW in Richtung Markt ab, direkt gefolgt von einem blauen Opel.

Binnen weiterer zwanzig Minuten folgen drei weitere Autos, deren Fahrer sich keinen Deut um die Schilder scheren, die die Einfahrt hier untersagen. Es ist ganz so, wie Anwohner Udo Baumgarten es beobachtet hat: Wenn er sein Hoftor verlässt und korrekt in Richtung Kolpingstraße abbiegt, kommen ihm nahezu ständig Fahrzeuge entgegen. Und die Wagen kommen beileibe nicht alle vom Parkplatz hinter der Langen Straße. Auch andere Anwohner beobachten ständig aus der Kolpingstraße abbiegende Autos.

Udo Baumgarten ist eigentlich generell mit der seit einem knappen Jahr gültigen Regelung zufrieden: Tagsüber kann man die Senftenberger Straße vom Markt in Richtung Neumarkt befahren. Nachts hingegen sorgen Poller an der Kolpingstraße dafür, dass Durchgangsverkehr nicht möglich ist. „Die Autobahn ist weg. Das ist total in Ordnung“, lobt Udo Baumgarten die Regelung, auch wenn benachbarte Geschäftsleute nicht ganz so begeistert sind.

Andreas Rümcke von Foto Kahrig sagt etwa, sein Geschäft werde schon deutlich besser wahrgenommen als zu jenen Zeiten, in denen an der Brücke über den Elsterfließ Poller standen. Nur findet er: Eben an diese Stelle hätten eigentlich auch die versenkbaren Poller gehört. „Und dass hier Tempo 20 ist, kümmert auch niemanden“, hat er beobachtet.

Waldemar Haiser von der gleichnamigen Galerie empfindet die Poller dagegen als halbherzige Angelegenheit. Nach seiner Meinung müsste, so wie früher, freie Durchfahrt von beiden Seiten möglich sein. „Die Leute fahren mit Volldampf bei mir vorbei“, schildert er die Auswirkungen der Neuregelung vom vorigen Jahr.

Das ist für die Fahrer doppelt gefährlich, denn sowohl Polizei als auch städtisches Ordnungsamt haben in den vergangenen Monaten in der Senftenberger Straße immer wieder kontrolliert. Nur: dauerhafte Überwachung ist, so Bürgeramtschefin Ingrid Stille, nun einmal nicht möglich. Den Verdacht von Anwohnern, dass aus der Luxemburgstraße kommende Autofahrer womöglich das direkt neben dem ehemaligen „Café Altstadt“ stehende Sperrschild nicht sehen, hegt Ingrid Stille nicht: „Die Sichtbarkeit des Zeichens 260 ist unseres Erachtens gegeben. Das Argument wurde bisher auch noch nie als »Entschuldigung« bei Feststellung von ordnungswidrigen Einfahrten gebracht.“

Der TAGEBLATT-Test mit einem rund ein Jahr alten Navigationssystem ergab: Auch diese Technik lotst einen nicht falsch herum in die Senftenberger Straße. Ingrid Stille sieht die vielen Falschfahrer einfach darin begründet, dass Verkehrsschilder nicht akzeptiert werden. Schließlich, sagt sie, werde das Durchfahrtsverbot ja auch von Leuten missachtet, die aus der Kolpingstraße abbiegen. Und hier stehen zwei in jedem Fall gut sichtbare Sperrschilder. Polizei und Ordnungsamt sehen also nur eine Lösung, nämlich weitere Kontrollen. Es scheint also, als würde sich der Hoyerswerdaer Neumarkt zum Dauerschauplatz für ein Katz-und-Maus-Spiel entwickeln.

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