Trümpfe aus 125 Jahren Automobilbau


von Tageblatt-Redaktion

BMW 303 Sportcabriolet
BMW 303 Sportcabriolet

Wenn Oldtimer durch die Lande rollen, dann sind ihnen Zuschauer gewiss. Und egal, ob auf der Motorhaube ein Stern, ein Jaguar, eine Spirit of Ecstasy oder ein Sachsenring-S prangt – den Wagen und den Insassen fliegen die Herzen zu. Denn Oldtimer sind praktisch immer gepflegt und sie sind ein Stück unserer Kultur. Immerhin feiern wir in diesem Jahr 125 Jahre Automobil. Am 29. Januar 1886 hatte Carl Benz seinen dreirädrigen Motorwagen zum Patent angemeldet. Weltweit soll es mittlerweile über 800 Millionen Autos geben. In 19 Jahren könnte sich die Zahl verdoppelt haben. Doch die meisten von ihnen werden nur ein relativ kurzes Leben haben. Eine dauerhafte Existenz als Oldtimer wird nur wenigen vergönnt sein. Auch in und um Hoyerswerda gibt es Oldtimerliebhaber, die viel Zeit und noch mehr Geld in die Autos stecken, um sie am Leben zu erhalten. Nach aktueller Definition darf sich in Deutschland ein Fahrzeug Oldtimer nennen, wenn es älter als dreißig Jahre ist, aus jetziger Sicht also spätestens 1981 das erste Mal zugelassen wurde.

Im Landkreis Bautzen wurden bisher 298 rote Oldtimerkennzeichen vergeben, davon 14 in der Stadt Hoyerswerda. Diese Kennzeichen sind bei Fahrzeughaltern beliebt, die mehrere Oldtimer besitzen. Denn das Kennzeichen darf an mehreren Fahrzeugen verwendet werden, allerdings stets nur an einem Fahrzeug. Außerdem wurden bisher 512 Oldtimerkennzeichen (letzter Buchstabe H) vergeben, davon 44 im Bereich der Stadt Hoyerswerda. Um welche Modelle es sich dabei genau handelt, vermag die Behörde laut Sprecher Gernot Schweitzer nicht zu sagen. Damit fahren gerademal 0,33 Prozent der rund 244 000 im Landkreis Bautzen zugelassenen Fahrzeuge als Oldtimer durch die Lande. Im Bereich der Stadt Hoyerswerda sind es gar nur 0,25 Prozent der 23 700 zugelassenen Fahrzeuge. Das ist aber nicht mit dem Bestand an Oldtimern gleichzusetzen. Es gibt etliche Fahrzeuge, die älter als 30 Jahre und dennoch ganz normal zugelassen sind.

Für Fahrzeuge, die in der DDR produziert wurden, hat das Landratsamt sogar markenbezogene Daten. Rollten vor zwei Jahren noch 1 248 Trabants durch den Kreis, so waren es zu Beginn dieses Jahres nur noch 1 042 und es besteht die Gefahr, dass es zum Jahresende weniger als eintausend sein werden. Die Zahl der Wartburgs ist im gleichen Zeitraum um 34 Fahrzeuge auf 199 gesunken. Allerdings darf man bei beiden Modellen davon ausgehen, dass die Masse keinen Oldtimerstatus hat, sondern eher aus den letzten Produktionsjahren stammt.

Angesichts der relativ kleinen Motoren sind für Trabant- und Wartburg-Fahrer spezielle Oldtimerkennzeichen auch nicht unbedingt interessant. Es sei denn, man besitzt mehrere Fahrzeuge. Streng genommen erlaubt das rote Wechselkennzeichen aber nur Fahrten im Rahmen von Oldtimer-Veranstaltungen, An- und Abfahrten hierzu sowie Probe- und Überführungsfahrten und Werkstattfahrten. Der Steuersatz beträgt pauschal wie beim H-Kennzeichen jährlich 191 Euro für Pkw und Lkw oder 46 Euro bei Zweirädern.

Glücklicherweise gibt es für Leute, die von alten Autos fasziniert sind, an den Wochenenden hin und wieder organisierte Oldtimerausfahrten oder Treffen. In drei Wochen findet beispielsweise auf dem Festplatz am Gondelteich das 2. Lausitzer Oldtimer- und Blaulichttreffen statt, zu dem vor allem Feuerwehren, Polizei- und Krankenwagen erwartet werden.

Oder aber man begegnet an einem schönen trockenen Tag einfach so einem der in und um Hoyerswerda existierenden Klassiker aus 125 Jahren Automobilbau. Oder Sie lesen in den nächsten Wochen am Samstag TAGEBLATT: In einer neuen Serie stellen wir ab sofort einige Oldtimer und deren Besitzer vor. Heute starten wir mit Dieter Pröhls BMW 303.

Fünfzehn Jahre vor der Wende machte sich Dieter Pröhl an die Restaurierung seines BMW, der am 1. Juli 1933 erstmals für den Straßenverkehr zugelassen wurde. Der abgebildete Oldtimer ist ein Meisterstück des Stuttgarter Karosserien Reutter. Die Reutter-Karosserien zeichnen sich durch gute Verarbeitung, gediegene Form und solide Ausstattung aus. Dabei (dem geschuldet?) entstanden nur verhältnismäßig sehr kleine Stückzahlen.
Auf der Basis des BMW 303 (aus den Jahren 1933 und 1934) fertigte man insgesamt 27 derartige zweisitzige Sportcabriolets. Damals konnte ein Käufer das Modell für 4 600 RM (Reichsmark) erwerben. Zum Vergleich hatte eine zweitürige Limousine einen Preis von 3 600 RM. (In heutigem Geld entspricht eine Reichsmark etwa zehn Euro). Die Angabe der Produktionszahl „27“ für das genannte Sondermodell bezieht sich jedoch nicht allein auf Reutter, sondern auf alle Karosseriefirmen Deutschlands.

Wie viele Exemplare des hier vorgestellten Oldtimers bei Reutter in Stuttgart gefertigt wurden, ist zum heutigen Tag nicht bekannt. Man kann sie wohl an den Fingern abzählen! Laut „Auszug aus dem „Fahrgestell-Buch“ des BMW-Archivs München wurde das nunmehr in Hoyerswerda befindliche Sport-Cabriolet in der Farbe Grün (heute noch nachweisbar) am 1.12.1933 nach Berlin ausgeliefert.

„Es gibt einfach nichts Schöneres, als dass einem der Wind im Cabrio um die Nase weht“, schwärmt Ruth Pröhl. Und ihr Mann fügt hinzu: „Wenn wir mit dem Oldtimer unterwegs sind, durchströmt uns ein richtiges Freiheitsgefühl.“ Hinzu kommt natürlich auch, dass die Pröhls alle Blicke auf sich ziehen, wenn sie mit ihrem Sammlerstück unterwegs sind. „Die Leute stehen an der Straße, winken uns zu und freuen sich“, erzählen die beiden mit leuchtenden Augen.

Es ist ein ganz besonderes Glücksgefühl, wenn Menschen uns begegnen. Es ist auch wie ein „Lohn“ für viele hundert Arbeitsstunden, die man benötigt, um so ein Stück Kulturgut wieder „auferstehen“ zu lassen: „Sechs Jahre hab ich an ihm gewerkelt“, erzählt Dieter Pröhl stolz.

Denn der „Flitzer“ musste vollständig neu aufgebaut werden. Und irgendwann war er dann (augenscheinlich ...) fertig. „Ein super Gefühl“, so Dieter Pröhl.
Bis heute arbeitet der 73-Jährige regelmäßig an seinem Oldtimer. „Ein Schrauber muss man schon sein“, sagt er. Denn irgendetwas ist immer auszubessern oder zu erneuern. Für viel Geld könne man zwar auch „schrauben“ lassen. Doch für Oldtimerfreunde kommt das nicht in Frage! „Das Selbermachen ist doch das Schönste“, schwärmt er. Denn im Gegensatz zu den heutigen Autos könne man beim Oldtimer noch etwas mit dem Schraubendreher ausrichten.

„Im Stich gelassen hat der BMW uns nur ein einziges Mal – das war 1985. Wir waren auf der Autobahn bei Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) unterwegs. Plötzlich gab es sehr laute Geräusche und der Motor war kaputt“, erinnern sich die Pröhls. Über die Ursache der Panne kann Ruth Pröhl noch heute lachen: „Wärst du nicht so schnell gefahren, wäre das nicht passiert.“ Über hundert Sachen sei doch zu viel gewesen, weiß Dieter Pröhl heute und kommentiert: „Ein Oldtimer ist eben kein Rennauto.“ (DP)

Nächste Folge: Opel 1290/ Spezial-Limousine 1935, Besitzer: Gerd Pröhl (Hoyerswerda)

 

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