Stadt prüft Bäume auf Stamm und Blätter


von Tageblatt-Redaktion

Andrea Kühnöhl überprüft mit dem Gummihammer einen der Bäume. Am Klang erkennt sie ob er morsch ist.
Andrea Kühnöhl überprüft mit dem Gummihammer einen der Bäume. Am Klang erkennt sie ob er morsch ist.

Mit der Nummer 3016 steht diese Linde von der Dresdener Straße im Baumkataster der Stadt Hoyerswerda. „Der sieht aber nicht so gut aus“, schätzt Viola Beiert den Zustand des Baumes ein. Die Blätter sind recht klein, haben braune Ränder. „Der kränkelt schon seit Jahren“, berichtet eine Anwohnerin.

Andrea Kühnöhl blickt zu Viola Beiert und will wissen: „Was hatten wir letztes Jahr?“ Viola Beiert schaut in ihre Unterlagen. „Kontrolle“, antwortet sie. Und das ist ganz genau das, was Viola Beiert und Andrea Kühnöhl vom Grünflächenamt der Stadtverwaltung hier an der Dresdener Straße tun. Immer im Sommerhalbjahr ziehen Mitarbeiter des Amtes, wenn es Zeit und Wetter zulassen, hinaus zur Kontrolle der Straßenbäume. Es geht um die Verkehrssicherungspflicht. Fällt jemandem ein morscher Ast auf den Kopf oder ein hohler Baum aufs Auto, könnte das für die Stadt schließlich unangenehme juristische Folgen haben.

Wir machen eine augenscheinliche Prüfung“, erläutert Andrea Kühnöhl. Dazu dient zum einen der Blick in die Krone: Gibt es Totholz? Zum zweiten ist ein Gummihammer mit auf Tour. Damit klopft Andrea Kühnöhl auf die Rinde: „Anhand des Geräusches kann man hören, ob ein Baum hohl ist.“ Und zum dritten verfügt sie über ein speziell mit einem Griff versehenes Stück Schweißdraht. Er wird in Höhlungen gesteckt. „Wenn mehr als die Hälfte geschädigt ist, ist ein Baum zu krank“, sagen die Frauen.

So ein Kandidat bekommt dann ein grünes Kreuz auf den Stamm gesprüht und zum Ende der Vegetationsperiode kommt die Säge. In den letzten Tagen aber ist so ein Fällkandidat den Leuten vom Grünflächenamt nicht untergekommen. Es gibt auch Zweifelsfälle, bei denen dann Gutachter hinzugezogen werden. Sie verfügen über Technik zur weitergehenden Untersuchung, etwa über Resistographen. Das sind spezielle Bohrgeräte mit integrierter Messtechnik zur Bestimmung der Holzdichte. Häufig reicht aber auch einfach nur ein ordentlicher Baumbeschnitt.

Bei der Vielzahl an Bäumen in der Stadt ist es natürlich schwierig, jeden einzelnen eingehend zu kontrollieren. Daher werden sehr alte oder als geschädigt bekannte Bäume häufiger besucht als etwa gerade erst gepflanzte. „Da gucken wir vielleicht alle drei Jahre mal“, sagt Andrea Kühnöhl. Die Linde mit der Nummer 3016 werden sie weiter scharf im Blick behalten.

Erst einmal darf sie stehen bleiben, auch wenn besagter Anwohnerin eine Fällung lieber wäre. Schließlich verdeckt der Baum auch die Ausfahrt von ihrem Grundstück. Doch Andrea Kühnöhl sagt: „Der darf noch.“ Schließlich hat es hier vor einiger Zeit Bauarbeiten gegeben. Es könne also sein, dass die Wurzel der Linde dabei beschädigt worden ist. Mitunter kämpft so ein Baum dann noch drei oder vier Jahre, und wie so ein Kampf ausgeht, lässt sich schwer prognostizieren. Im nächsten Jahr, wenn die Leute vom Grünflächenamt mit dem Gummihammer wiederkommen, wird man womöglich mehr wissen.

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