Schafherde aus Unglücksgebiet ist gerettet

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Seenlandschäfer Thomas Köhler mit 280 geretteten Schafen. Weitere Tiere wurden auf einer Insel im Rutschungsgebiet entdeckt.
Seenlandschäfer Thomas Köhler mit 280 geretteten Schafen. Weitere Tiere wurden auf einer Insel im Rutschungsgebiet entdeckt.

Schäfer Thomas Köhler bangte noch am Dienstag um seine Existenz. Am Mittwochmorgen wusste er, dass sein Betrieb weiter existieren kann. Knapp 280 Mutterschafe holte er mit seinem angestellten Schäfermeister Thomas Muche von der Weide im ehemaligen Tagebau Spreetal, brachte sie auf eine weiter westlich gelegene Weide. Pyrenäenhund „Flocke“ und ein Elektrozaun sichern die Tiere gegen Raubtiere. Noch gegen Mittag musste der 35-Jährige aus Lauta davon ausgehen, dass 81 Lämmer und drei Zuchtböcke beim Grundbruch ums Leben gekommen waren.

Doch bei einer Befliegung am Nachmittag wurden auf einer Insel Dutzende Schafe entdeckt. Da keine zweite Herde im Rutschungsgebiet unterwegs war, ist es wahrscheinlich, dass es sich zumindest um einige der vermissten Lämmer von Schäfer Köhler handelt. Wie es gestern Nachmittag hieß, werde die LMBV zusammen mit dem Schäfer versuchen, die Tiere zu retten. Doch zumindest bis Mittag, so Thomas Köhler, hatte sich noch nicht einmal ein LMBV-Vertreter bei ihm erkundigt oder gemeldet.

Vor ein paar Jahren hatte er mit 50 Tieren angefangen, viele Tiere gezüchtet und einige nachgekauft, konnte Thomas Muche einstellen. Der 43-Jährige wurde am Mittwoch Augenzeuge des Grundbruchs und der daraus resultierenden Geländebewegung samt kleiner Flutwelle. Sie stoppte vor seinen Füßen und denen der Schafherde. Rund 180 Hektar Fläche hat die Herde zuletzt bewirtschaftet und gepflegt. Doch davon sind jetzt geschätzte 80 Hektar weg, einfach weggesackt, mit Wasser überflutet. Und gute Weideflächen sind rar.

Insgesamt umfasst das Schadensgebiet 110 Hektar, darunter auch 60 Hektar Naturerbefläche, wie Dr. Alexander Harter, Geschäftsführer der Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland gGmbH, gestern sagte. Zwar sind vom eigentlichen GmbH-Besitz nur drei oder vier Hektar verschwunden, doch für das Projekt selbst, so Harter, ist der Verlust der großen Offenlandfläche, die auch den Schafen als Ruhefläche diente, ein schwerer Schlag. „Die Folgen sind schwer absehbar. Für uns steht die Frage, wann wir auf die restlichen Flächen wieder rauf dürfen. Sie müssen beweidet, offengehalten werden“, sagt Dr. Harter und befürchtet, dass sich die Flächensperrung wie nach der Rutschung am Concordiasee sehr lange hinziehen wird.

Oder aber die Bergbausanierung gräbt noch einmal die bereits fertigen Flächen um. Genau weiß das derzeit niemand. Die Untersuchungen werden wohl recht lange dauern. Alexander Harter, der ebenfalls Augenzeuge der Geländebewegungen war, will nun schauen, wie trotzdem noch Flächen für das Naturschutzgroßprojekt zu erlangen sind. Das geplante Projektende in drei Jahren sieht Harter derzeit jedenfalls nicht mehr haltbar.

Was die Deponie Bergen anbelangt, so hat der einst bei der Deponiesanierung unterirdisch geschaffene Stützdamm Wirkung gezeigt. Wie Ulrich Heine, Geschäftsführer des Abfallzweckverbandes Ravon, gestern sagte, geht man von geringen Beschädigungen des Deponie-Randes aus. Mit einem Austreten von Müll oder Schadstoffen rechnet man derzeit nicht.

Was die weitere Bergbausanierung im Bereich Sabrodt und die Wiederherstellung des zerstörten Überleiters 4 anbelangt, werden LMBV und Oberbergamt mit allen anderen Beteiligten nach einer Lösung suchen – es ist ein Detail in Europas größter künstlicher Seenlandschaft.

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