Sandsack-Anker für Kalkleitung im Scheibesee versenkt


von Tageblatt-Redaktion

Diese kiesgefüllten BigBags werden vom Hubschrauber im Scheibesee als Anker für eine Rohrleitung versenkt.
Diese kiesgefüllten Bigbags werden vom Hubschrauber im Scheibesee als Anker für eine Rohrleitung versenkt.

Der pH-Wert im Scheibesee liegt derzeit bei äußerst sauren 2,5. Im nächsten Jahr soll er sich im neutralen Bereich zwischen 6 und 8 einpegeln. Mit dieser Zielsetzung startet Ende September ein Pilotprojekt des Bergbausanierers LMBV am Scheibesee. Die vorbereitenden Arbeiten dafür sind seit ein paar Tagen im Gange. Gestern war dabei sogar ein Hubschrauber im Einsatz.

Dessen Aufgabe war es, sogenannte Big Bags, das sind 300 Kilogramm schwere mit grobem Kies gefüllte Säcke, im See zu versenken. Sie dienen als Verankerung für eine Rohrleitung, die rund 250 Meter weit in das Gewässer hineinreichen und etwa 50 Zentimeter unter der Wasseroberfläche verlaufen wird, erläuterte Dr. Michael Strzodka. Er ist Prokurist der in Senftenberg ansässigen GMB GmbH. Diese managt das Gemeinschaftprojekt, das von der BTU Cottbus wissenschaftlich begleitet wird und für das die Harbauer Umwelttechnik GmbH aus Berlin die Technik stellt.

Bisher kamen vorrangig Bekalkungsschiffe zur Neutralisation von Bergbaufolgeseen zum Einsatz (TAGEBLATT berichtete). Die „getauchte Schwimmleitung“, wie es Dr. Strzodka bezeichnete, ist neu. Sie besitzt auf 250 Metern Länge Öffnungen, über die grob gesagt ein Kalk-Gemisch ins Gewässer eingespritzt wird. Das soll für eine sehr hohe Durchmischung des Wassers sorgen. Den Rest erledigt die Vollzirkulation des Seewassers, zu der es im Herbst und im Frühjahr kommt. Dieses Verfahren, so war gestern zu erfahren, hat die GMB GmbH gemeinsam mit der Fels-Werke GmbH in Goslar entwickelt.

Das Pilotprojekt soll bis zum Jahresende durchgeführt sein. Bei einem Gewässervolumen von 110 Millionen Kubikmetern sind 16 700 Tonnen Kalk für die Neutralisation veranschlagt, wie Dr. Strzodka wissen ließ. Die Gesamtkosten bezifferte er auf 3,1 Millionen Euro.

Da der Experte davon ausgeht, dass es nach der Neutralisation des Sees zu einer erneuten Versäuerung kommt, müsste auch hier Nachsorge betrieben werden. Hier, so hofft er, könnte ein weiteres Pilotprojekt greifen. Nämlich die Zugabe von Kalk und Kohlendioxid. Das, so die Erwartung, würde den pH-Wert des Gewässers etwa sechs Jahre lang auf einem Niveau halten. Der Einsatz von Kalk allein wäre dagegen jährlich notwendig. Neben der getauchten Schwimmleitung gehören zur Anlage auch zwei weitere Leitungen, über die Seewasser abgepumpt wird. In zwei Behältern an Land wird das Wasser mit Kalk gemischt und über die Schwimmleitung in den Scheibesee zurückgeleitet. Zehn Tonnen Kalk pro Stunde werden dabei verarbeitet, war am Rande des Hubschraubereinsatzes zu erfahren.

Dieser Einsatz wird heute fortgesetzt, da es gestern nicht gelungen war, alle zwölf Big Bags in bis zu 35 Metern Tiefe zu versenken.

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