Samstag lodern die Hexenfeuer

Donnerstag, 28. April 2011

Das sind die Standorte der Hexenfeuer in und um Hoyerswerda.
Das sind die Standorte der Hexenfeuer in und um Hoyerswerda.

Die Bewohner des ASB- Pflegeheims „Am Schmelzteich“ in Bernsdorf gestalteten gestern die Strohpuppe für ihr traditionelles Hexenfeuer.

Das viele Stroh will einfach nicht in ihren dicken Bauch passen. Und auch aus ihrem Kopf ragen noch viele sperrige Halme. „Das müssen wir dort noch kräftig reinstopfen, damit es auch hält und schön aussieht“, meint Seniorin Marianne Ehser, bevor sie mit Ergotherapeutin Elisa Skottki mittels einer Heißklebepistole wenig später am Kopf die Augen befestigt. Letztere sind zwei schwarze große Knöpfe – die natürlich zu einer Strohpuppe gehören. „Oh, das ist ja warm“, ruft Seniorin Walli Zech, fast schon ein bisschen erschrocken beim Berühren der Knöpfe.

Irmgard Pötzschner muss hingegen beim Anblick der Puppe herzhaft lachen: „Mensch, die hat ein ganz schön großen Vorbau. Wenn das die Männer sehen“, sagt sie schmunzelnd und hat in der vergnügten Runde die Lacher auf ihrer Seite. Was denn jetzt noch fehle, will Elisa Skottki wissen. „Na, der Mund. Ein schöner roter, sollte es sein“, meint Walli Zech und malt der Strohpuppe wahre Kusslippen. Aber der Teufel liegt auch hier im Detail: „Hier muss ich noch mal nachmalen, denn an einer Stelle ist eine Falte. Ist ja fast wie bei uns alten Leutchen“, erklärt sie.

Und wieder dringt aus dem Therapieraum lautes Lachen, das für andere Mitarbeiter und Bewohner eine ansteckende Wirkung hat. Schnell geht die Tür auf und eine Altenpflegerin sagt schmunzelnd in den Raum: „Hier geht es ja ziemlich lustig zu. Bitte weitermachen!“

Gesagt, getan. Denn die Strohpuppe ist noch nicht ganz fertig. Ein festgeschnürter Gürtel beschert der einen Meter hohen Figur eine sehr zarte, schmale Taille. Der Brustumfang wirkt dafür aber noch viel pompöser. „Sie sieht gut aus. Eigentlich viel zu schade für das Hexenfeuer am Vorabend des 1. Mai“, meint Walli Zech.

Indessen hobeln Alfred Kieschnick, Ingeborg Greger und weitere Heimbewohner im Garten fleißig die Rinde des zukünftigen Maibaumes ab, der mit einer grünen Ranke geschmückt aufgestellt wird. Eine Premiere im ASB-Pflegeheim „Am Schmelzteich“, die zukünftig jedoch auf Wunsch vieler Senioren eine Fortsetzung finden soll. Auch die Arbeit mit der Säge scheint den Bewohnern sichtlich viel Spaß zu machen. „Ich will gar nicht mehr damit aufhören. Das erinnert mich an meine frühere Arbeit“, erklärt Alfred Kieschnick begeistert.

Aber nicht nur Erinnerungen werden an diesem Mittwoch wach. Auch der therapeutische Ansatz ist ein Grundanliegen dieses Projekttages. „Beispielsweise das Binden des Kopftuches oder das Anmalen des Gesichtes bei der Strohpuppe sollen die motorischen Fertigkeiten und die Gedächtnisleistung der Senioren verbessern“, erklärt Ergotherapeutin Elisa Skottki. „Na, und Spaß macht das doch auch. Das ist ja auch wichtig“, meint Alfred Kieschnick und muss schon wieder schmunzeln – beim Anblick des pompös wirkenden Brustumfanges der Strohpuppe…

 

Mit Nachtwachen passt der Jugendclub von Lohsa-Dorf darauf auf, dass niemand vorzeitig den für das Hexenfeuer bestimmten Reisighaufen anzündet.

Wenn man es genau nimmt, wächst der Druck von Jahr zu Jahr. Denn „bisher ist es noch niemandem gelungen, bei uns den für das Hexenbrennen bestimmten Reisighaufen vorzeitig in Brand zu setzen“, erklärte Oliver Lange vom Jugendclub Lohsa-Dorf. So etwas spornt natürlich den Ehrgeiz potenzieller Brandstifter an. In anderen Ortsteilen von Lohsa hingegen hätten Unbekannte in den vergangenen Jahren schon das ein oder andere Mal erfolgreich Hexenfeuer vorzeitig brennen lassen. Um dies zu verhindern, halten die Jugendlichen seit Sonntag Nachtwache. Unweit des von Tag zu Tag größer werdenden Reisighaufens hat die Gemeindeverwaltung dem Jugendclub einen Bauwagen zu Verfügung gestellt. „Wir sitzen aber meist draußen“, erzählt der 27-jährige Oliver Lange, der wie so viele der Jugendclub-Mitglieder Urlaub genommen hat, um diese Tradition weiter aufrechtzuerhalten.

Meist ab sechs Uhr abends treffen sich die Jugendlichen vor dem Bauwagen, wo einige abgewetzte Sofas und Sessel herumstehen. Eine Plane schützt sie vor Regen. Natürlich darf der obligatorische Bierkasten an den Abenden nicht fehlen. Seit Sonntag sind es im Schnitt etwa 15, 20 Jugendliche, die am Lagerfeuer sitzend all das beobachten, was auf dem unweit des Penny-Marktes gelegenen Platz passiert. „Die Zeit zwischen zwei Uhr morgens bis zur Dämmerung ist natürlich hart“, beschreibt es Lange. Der Kampf gegen die Müdigkeit ist heftig. „Wir drehen dann unsere Runden, beobachten die angrenzende Straße“, so der 21-jährige Christian Cornelius. Man habe Bewegungsmelder im Umfeld aufgebaut, um sofort reagieren zu können. Oliver Lange ist sicher, dass man auch in diesem Jahr wieder etwaige Zündler abhalten wird.

 

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