Risse auf Lohsas alter Grubenbahntrasse


von Tageblatt-Redaktion

Seit Mittwoch ist diese Spielstraße in Lohsa wegen Bodenwellen gesperrt.
Seit Mittwoch ist diese Spielstraße in Lohsa wegen Bodenwellen gesperrt.

Mitten in Lohsa passieren Dinge, die Bürger und auch die Verwaltungsmitarbeiter die Stirn runzeln lassen. Vor einer Woche registrierte ein Anwohner der Schlesischen Straße auf seinem Grundstück leichte Geländeverwerfungen. Ein Loch von etwa einem Meter Tiefe tat sich auf. Die benachbarte Garage hat Risse.

Umgehend wurde die Gemeindeverwaltung informiert, das Sächsische Oberbergamt auch, das wiederum die LMBV mit Untersuchungen vor Ort betraute. In einer ersten Stellungnahme ging man im Oberbergamt davon aus, dass es keine bergbaubedingte Ursache für die Löcher gibt. Dazu muss man wissen, dass die Stelle ziemlich genau auf der Grenze zwischen natürlich gewachsenem Boden und der zugeschütteten ehemaligen Grubenbahnzufahrt zum Alt-Tagebau Lohsa liegt. Die war einst ein Erdeinschnitt mit nur wenigen Metern Tiefe und wurde später verfüllt. Viele Jahre lang fuhr die Grubenbahn hier dann auf Geländeniveau.

Die heutige Staatsstraße führte in einem eleganten Bogen über eine Brücke hinüber. In den Neunzigerjahren riss man die Brücke ab, und die Straße verläuft seitdem ebenerdig. Allerdings nicht mehr ganz eben. In der Straße gibt es eine mehrere Meter lange Senke. Nur ein paar Zentimeter tief, aber man spürt sie beim Fahren. Zumindest in der Gemeinderatssitzung am Dienstag konnte niemand sagen, seit wann es die Senke gibt. Aber allzulange wohl noch nicht.

Nebenan steht der Lohsaer Maibaum. Und drei Wochen nach dem Hexenbrennen ist der Feuerplatz noch immer nicht beräumt, liegen nur halb verbrannte Baumstumpen in der Asche. Im Radweg gibt es kleine Risse und leichte Verwerfungen, wie sie für Baumwurzeln typisch sind. Nur wachsen neben dem Radweg keine Bäume. Und die Wurzeln der Büsche haben nicht diese Kraft.

Über die Spielstraße nebenan zieht sich deutlich sichtbar eine Spur von irgendeiner Flüssigkeit, die wohl ein Fahrzeug verloren hat. Seit Mittwochfrüh ist die Straße gesperrt. Das Lohsaer Bauamt hat die Sperrung veranlasst. Mit der Spur hat das nichts zu tun. Denn der Asphalt ist wellenförmig aufgeworfen wie nach einem leichten Erdbeben. In den Senken steht das Wasser, an den Rändern ist der Asphalt aufgerissen. Aus Richtung Penny-Markt gesehen zieht sich ein Spalt quer über die gesamte Fahrbahn. Der ist zwar nicht ganz neu, sagt eine Passantin, doch in diesem Jahr sei er auf jeden Fall breiter geworden.

Als Spielstraße taugt das alles jedenfalls nicht mehr. Die Sperrung, so konnte man Bürgermeister Udo Witschas am Dienstag verstehen, ist eher als Vorsichtsmaßnahme gedacht. Eine Anwohnerin findet die Sperrung aber ganz gut. Die bisherigen Schilder hatten etliche Autofahrer bislang nicht abgehalten, über die Spielstraße und den Radweg zwischen Siedlung und Nahversorger abzukürzen.

Die Frau erinnert sich noch an die Zeit, als hier die Kohlezüge vorbeifuhren, alles vibrierte. Jetzt gibt es hier weit und breit keinen Kohlebagger mehr. Kein Tagebaudreck zieht als alles einstaubende Wolke über den Ort. Die Grubenbahn erschüttert nicht mehr die Häuser in der Siedlung. Auf den ersten Blick ist die Zeit des Bergbaus lange vorbei. Doch gerade dieser Tage haben die alten Bergbauflächen den Ort Lohsa noch enger in die Zange genommen. Westlich und östlich von Lohsa ist seit Monaten alles Sperrgebiet.

Die Bergtechnische Sanierung am Silbersee, also westlich des Ortes, ist freilich seit langem geplant. Die drei Gittermasten der Rüttelstopfer sind das weithin sichtbare Zeichen. Sie bewegen sich zwar nur unmerklich weiter. Aber das Tempo ist nunmal so. Wenn sie mit ihrer Arbeit fertig sind, ist der Damm sicher. Doch die Sperrfläche am Silbersee wurde seitens des Sächsischen Oberbergamtes gerade erst erweitert. Die reicht nun bis an den Sportplatz heran. und verläuft nicht mehr quer über das benachbarte Feld. Im Osten von Lohsa ist seit dem Grundbruch im Dezember bei Lippen alles gesperrt. Unter anderem am Rodelberg und am Rand des Gewerbegebiets GE2 stehen die Verbotsschilder. Wie lange dieser Zustand anhalten wird, weiß niemand.

Udo Witschas weiß immerhin, dass die LMBV für das Oberbergamt den Bereich der ehemaligen Kohlebahneinfahrt untersucht. Von Drucksondierung und der satellitengestützten Vermessung der Geländehöhen ist die Rede. So lassen sich Absenkungen und Verschiebungen nachweisen. Beruhigend ist, dass es unterirdisch keine Entwässerungsstrecken oder ähnliche Hohlräume gibt, kein großes Loch da ist, wo die Erdmassen hineinfließen könnten. Und auch der gewachsene Boden ist unter der zugeschütteten Bahneinfahrt nicht weit weg. Viel Platz zum Sacken ist da nicht. Nicht beruhigend ist, dass das längst alles aus der Bergaufsicht entlassen ist. Natürlich galt das Areal als sicher. „Doch vermutlich muss man auf solchen Gebieten immer mit Nachsackungen rechnen“, sagt Udo Witschas.

Gut möglich, dass im Bereich der Grubenbahneinfahrt nun alles gesetzt ist, nichts mehr wegsacken kann. Doch was man jetzt braucht, das ist Gewissheit.

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