Raus aus dem Sommerschlaf

Dienstag, 30. Oktober 2012

Harald Teichmann zieht hier bei Pneuhage gerade einen Reifen auf eine Felge auf.
Harald Teichmann zieht hier bei Pneuhage gerade einen Reifen auf eine Felge auf.

Der Winter kam am Wochenende für viele Autofahrer früher, als ihnen lieb war. Nach der bösen Überraschung am Samstagmorgen führte für manchen Kraftfahrer der erste Weg der neuen Woche zum Reifendienst. Doch wer gestern beim Pneuhage-Reifendienst im Gewerbegebiet Nardt vorfahren und die Sommerräder schnell gegen Winterräder getauscht haben wollte, der musste Zeit mitbringen. Ohne Vorbestellung wartete man nach Einschätzung von Niederlassungsleiter Alfons Buder 90 bis 120 Minuten, ehe man dran war. Völlig normal. Eigentlich ist es jedes Jahr das gleiche Szenario.

Bei Pitstop am Rande des WK X kein anderes Bild. „Viele Leute waren wie immer vom Winter überrascht“, heißt es hier. Dementsprechend glühte gestern das Telefon. Doch wer nach einem Termin fragte, ist nun wie bei Pneuhage frühestens Ende nächste Woche dran. Mal eben so vorbeifahren und hoffen dranzukommen, ist auch hier keine gute Idee.

Es geht hier und da aber auch etwas entspannter zu. Im Autohaus Kieschnick war die Kundschaft vom Schnee nicht sehr überrascht. Echte Panikattacken gab es weder Ende der Woche noch gestern. Auch hier läuft Reifenwechsel über Terminvergabe. Wer seinen schon vor dem Wochenende hatte, ist wohl glücklicher gewesen als der, der erst in dieser Woche dran ist. Aber zumindest das Telefon lief nicht heiß.

Selbst die Vertreter der Ein-Mann-Betriebe wie Klaus Jung vom gleichnamigen Autoservice können nicht über mangelnde Arbeit klagen. „Aber was das Reifenwechseln anbelangt, gab es keine Hektik“, sagt der Kfz-Meister in Dörgenhausen.

Bei diesem Thema ist ohnehin weniger Aufgeregtheit, dafür viel Routine gefragt. Bei Pneuhage wird von 7.30 Uhr morgens bis 18 Uhr abends gearbeitet. Drei Mitarbeiter beraten, verkaufen, erledigen den Papierkram, an den Bühnen sind gleichzeitig immer so sechs, sieben Leute. Immerhin wollen auch Fuhrunternehmer mit ihren Lkw bedient werden.

Ein derzeit typischer Wechsel sieht so aus: Der sommerbereifte Pkw fährt in die Halle ein. Hinter ihm wird das Tor bei diesen Temperaturen wieder heruntergelassen. Der Fahrer steigt aus, geht lieber zurück in den Servicebereich. In der Halle würde man ziemlich schnell im Weg stehen. Radkappen ab. Der pneumatische Schlagschrauber machte das Lösen der Radmuttern leicht. Das Fahrzeug ist ein Stück angehoben, die Räder können abgenommen werden. Mit Kreide beschriftet werden sie ins Lager gebracht.

Vorher wird jedes einzelne Rad begutachtet. „Wir schauen, wie viel Profil noch da ist , ob Lauffläche und Flanke beschädigt sind“, sagt Monteur Harald Teichmann. Der Blick der Männer ist geübt. Der Zustand, den sie für den Reifen ermitteln, wird ebenso wie Reifengröße und Fabrikat im Einlagerungsschein vermerkt – wenn denn der Kunde die kostenpflichtige Einlagerung vor Ort will. In diesem Fall ist es so. Die eingelagerten Winterreifen werden herangeholt.

Wenn es der Kunde wünscht, werden die Räder ausgewuchtet und statt mit Luft mit Reifengas befüllt. Das kostet alles extra, versteht sich – Geld und Zeit. In diesem Fall hier ist aber nur Umstecken gefragt. Der Luftdruck der Reifen wird dennoch kontrolliert und vor der Montage des Rades angepasst. Rad wieder ran, festschrauben, Radkappe drauf. Fertig. Dem Kunden im Servicebereich wird gesagt, dass sein Wagen fertig ist. Er fährt sein Auto aus der Halle, geht dann bezahlen. Schon kann der nächste in die Halle einfahren.

Zwischendurch schnappt sich ein Kollege den Drehmomentschlüssel und geht zu einem Auto, das draußen vor der Halle steht – die Schrauben an den Rädern nachziehen. Ist so vorgeschrieben nach 50 bis 100 Kilometern. Der Fahrer muss nur selbst dran denken. Immerhin – das Nachziehen geht auch ohne Voranmeldung ganz nebenbei, dauert ja vergleichsweise auch nur einen Moment. „Gute Fahrt“ sagt der Monteur zum Fahrer. Der lächelt: „Na denn, bis zum Frühjahr.“ Dann werden die Winterräder wieder in den Sommerschlaf geschickt.

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