Neun Minuten Zeitersparnis bis zur Autobahn

Samstag, 17. September 2011

Der Spremberger Bürgermeister Dr. rer. nat. Klaus-Peter Schulze verließ nach dem Banddurchschnitt vermutlich am schnellsten den Ort der Eröffnungsfeierlichkeiten - in einem Saker-Rennwagen aus Holland.
Der Spremberger Bürgermeister Dr. rer. nat. Klaus-Peter Schulze verließ nach dem Banddurchschnitt vermutlich am schnellsten den Ort der Eröffnungsfeierlichkeiten - in einem Saker-Rennwagen aus Holland.

Die Nerverei hat ab sofort wenigstens in einer Richtung ein Ende. Sind auf der Fahrt zur Autobahn Richtung Dresden über die B 97 die Königsbrücker Heide und die Ortsdurchfahrt von Ottendorf-Okrilla die großen Spaßbremsen, so waren es in der Gegenrichtung nach Cottbus bislang die lange 50 km/h-Zone durch Schwarze Pumpe und Spremberg, mit Doppelblitzer in Kraftwerkshöhe und dann noch dem in Spremberg. Freude am Fahren sieht anders aus.

Seit gestern 14 Uhr ist sie zu erleben. Brandenburgs Streben nach leistungsfähiger Straßen-Infrastruktur in seinem Süden hat dem sächsischen Hoyerswerda einen echten Autobahnzubringer beschert. Man muss nicht mehr durch Pumpe und Spremberg schleichen. Wir haben es gestern getestet: Wenn man sich an die Höchstgeschwindigkeiten hält, beträgt die Zeitersparnis zwischen dem Beginn der Neubaustrecke nördlich von Spremberg und dem Knoten Terpe in Richtung Hoyerswerda neun Minuten. Damit wäre die Fahrt zur Autobahn von Hoyerswerda aus schätzungsweise in etwa dreißig Minuten machbar. Die Brückenübergänge der neuen Straße sind zwar nicht immer perfekt, der Fahrbahnbelag ist zuweilen sehr rau. Aber die Straße fährt sich gut und ist nie langweilig, da sehr kurvenreich.

Gestern Mittag wurde die Piste eingeweiht. Nach den Ansprachen, dem obligatorischen Banddurchschneiden und einem Salut setzte sich eine Oldtimerflotte in Bewegung, um die Ehrengäste zum Festzelt zu bringen. Anschließend dauerte es noch geraume Zeit, ehe die Straßenabsperrungen an beiden Enden beräumt waren. Kurz vor 14 Uhr konnten die ersten normalen Fahrzeuge die B97-Ortsumfahrung von Spremberg und Schwarze Pumpe befahren. 24 000 Spremberger haben es künftig mit deutlich weniger Verkehr und den damit verbundenen Beeinträchtigungen zu tun. Ein Mann aus Schwarze Pumpe, der direkt an der alten B 97 wohnt, wäre schon zufrieden, wenn der Verkehr um ein Drittel abnimmt.

So eine Bundesstraße ist nicht billig. Von 27 Millionen Euro Baukosten ging man mal aus. Am Ende waren es 34 Millionen, die das 12,5 Kilometer lange Werk gekostet hat. Brücken sind entstanden, die eine weitestgehend kreuzungsfreie Fahrt ermöglichen. Man unter- und überquert Kohlebahnen und andere Straßen. Es kann natürlich passieren, dass man an einer der vier Ampeln anhalten muss. Aber im Großen und Ganzen ist es ein sehr flüssiges Fahren.

Die Idee für eine solche Umfahrung existierte wohl schon zu DDR-Zeiten. Im September 1991 gab es jedoch die erste Anlaufberatung für das gestern eingeweihte Projekt. Jan Mücke, parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsministerium betonte, dass es nicht mehr viele Straßenneubauten in Deutschland geben wird. Man werde einerseits die Ausbau-Standards senken, um doch noch hier und da was zu ermöglichen. Andererseits will der Bund sein Geld künftig stärker in den Erhalt der Bestandsstraßen stecken. „Wir haben aus der Schlaglochkrise gelernt“, sagte Jan Mücke gestern. Schön, dass wir wenigstens den einen Autobahnzubringer haben.

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