Neubauten ergänzen alte Baukunst


von Tageblatt-Redaktion

Carsta Domke erläuterte jeder Menge Besuchern den Umbau des nunmehrigen Hauses ihrer Familie in der Hoyerswerdaer Altstadt.
Carsta Domke erläuterte jeder Menge Besuchern den Umbau des nunmehrigen Hauses ihrer Familie in der Hoyerswerdaer Altstadt.

Es war dieser riesengroße Baum, der aus dem Gehöft An der Schule 8a in Hoyerswerdas Altstadt gleich neben der Grundschule „Am Park“ wuchs. Er machte Andreas Domke neugierig auf das Haus, das einst eine Böttcherei und zuletzt den Getränkehandel von Valerie Götz beherbergte, aber dann lange leer stand. „Lass uns das einmal ansehen“, sagte er zu seiner Frau Carsta. Es muss gefunkt haben. Ab 2009 jedenfalls bauten Domkes das Haus nach einem Entwurf des Hoyerswerdaer Architekturbüros Lienig und Baumeister um. Im Herbst vorigen Jahres war Einzug.

„Viele haben gesagt: Reißt es doch lieber ab und baut neu“, erzählt Andreas Domke. Doch seine Familie hat das, was Architektin Dorit Baumeister „Haltung“ nennt. Andreas Domke sagt schlicht, in der Stadt werde schon genug abgerissen. Dass es sich lohnt, Altes zu erhalten und stilvoll um Neues zu ergänzen, finden auch die Familien Rohrmoser Mueller aus Groß Särchen und Walter aus der Hoyerswerdaer Kolpingstraße. Auch sie haben mit Hilfe von Lienig und Baumeister um- und angebaut. Am Sonntag, zum Tag der Architektur, konnte man die Häuser ansehen.

Ihre Gemeinsamkeit: Den historischen Altbauten wurden jeweils moderne Gebäudeteile hinzugefügt, bei Domkes ein Wohnzimmer, bei Muellers in Särchen ein Erschließungsbau, bei Walters ein Wohn- und Küchenbereich. Dass man sofort sieht, was Alt und was Neu ist, ist gewollt. „Der neue Stil würdigt den alten und umgekehrt“, sagt die Architektin. Zum einen, erklärt sie, müsse man natürlich historische Aura erhalten. Gerhard Walter sagt: „Es ist keine Kosmetik. Unser Haus hat zum Beispiel nicht mehr gelebt. Man merkte das am Verfall, an der Feuchtigkeit, am muffigen Geruch. Es ging also darum, dem Gebäude wieder Leben einzuhauchen.“

Das war nicht einfach. Alt bedeutete hier wie anderswo eben auch in großen Teilen marode. Das muss man schlicht wissen, wenn man solche Altbauten saniert. Da müssen Dachgeschosse abgetragen und neu aufgebaut, zusätzliche Balken eingezogen oder während der Arbeiten auch schon einmal Wände mittels Stützung vor dem Zusammensturz bewahrt werden.

Es ist die Liebe zum Detail, die die Sanierung ausmacht, das originalgetreue Hoftor bei Walters etwa oder das Fachwerk bei Muellers. Es war zuletzt unter Putz verborgen. Nun kommt es wieder zur Geltung. Ein anderes Beispiel ist der Eingang des Wohn- und Geschäftshauses der Steinmetze und Bildhauer, das offiziell erst im September eingeweiht wird. Er ist nach heutigen Standards recht niedrig. Doch er blieb so. „Wir haben eben in allen drei Fällen das Glück, dass die Bauherren den besonderen Charakter der Häuser erkannt haben“, findet Dorit Baumeister. Andererseits aber geht es eben doch um das Leben heutiger Menschen.

Also gibt es in den jeweiligen Wohnbereichen viel Glas oder es gibt neue Oberlichter. Man hat es heute eben gern heller als das früheres Bauen gewährleisten konnte. Es gibt auch Fußbodenheizungen oder bei Domkes völlig neue Zuschnitte. Von der Straße an der Schule aus sieht man im Grunde nur eine schön sanierte historische Hülle. Drinnen ist alles neu und modern. „Wir als Generation wollen ja hier leben“, sagt Andreas Domke. Er sagt, selbst die, die einst zum Abriss rieten, sind heute anderer Meinung: „Und wenn jemand feststellt, dass sich tot gesagte Objekte zu neuem Leben erwecken lassen, hat es sich doch gelohnt.“

Gut: Der schöne Baum musste dem Anbau weichen. Im Hof ist aber eine Blutpflaume gepflanzt worden. Sie soll eines schönen Tages vier Meter hoch sein. Man wird sie wohl von der Straße aus sehen.

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