Nasse Füße statt trockener Keller


von Tageblatt-Redaktion

Beim See- und Tauchsportclub Knappenrode steht seit Jahren Wasser im Keller. Vereinschef Sven Grube spricht von einem Meter Wasser im Keller.
Beim See- und Tauchsportclub Knappenrode steht seit Jahren Wasser im Keller. Vereinschef Sven Grube spricht von einem Meter Wasser im Keller.

Als der Driewitzerin Isolde Kühn 1995 ein Experte sagte, dass der Keller ihres Hauses als Weinlager ideal geeignet sei, ahnte sie nicht, dass der 15 Jahre später 80 Zentimeter unter Wasser stehen würde. Der Keller ist für Isolde Kühn wichtig. Denn sie betreibt eine Handelsagentur für eine Sektkellerei. Das Haus hatte ihr Großvater 1947 erworben. Der Keller war immer trocken, sagt Isolde Kühn. Bis sie 2003 das erste Mal Wasser im Keller aufwischte.

Vier Jahre später stand erstmals Wasser wochenlang im Keller. Seit 2009 ist er nie wieder trocken geworden. 2010 wurde es bei Kühns ganz schlimm. Wie in tausenden anderen Kellern in der Lausitz auch. Nur, dass in Litschen und Driewitz Hoffnung besteht, dass dieses Problem gelöst wird. Am Montag traf sich eine Expertenrunde in der Gemeinde, um über das weitere Vorgehen bei der Wiederherstellung von Gräben zu beraten. Denn die waren ja jahrzehntelang nicht benötigt worden, da das Grundwasser wegen der Kohlegruben abgesenkt war. Erstes Fazit laut Bürgermeister Udo Witschas: Die LMBV wird in diesem Jahr weiter an den Gräben arbeiten, weiterführende Projekte untersuchen. Bis beide Orte wieder ein komplettes funktionierendes Grabensystem haben, werden noch Jahre vergehen.

In den letzten einhundert Jahren haben die vom Bergbau betroffenen Gebiete einiges durchgemacht. Lohsa mag da als Exempel stehen. Die Gruben fraßen sich von allen Seiten an den Ort heran. Staub und Lärm gab es reichlich, dafür kein Grundwasser mehr. Es kam die Zeit nach dem Bergbau, wo alles rekultiviert, wieder schön wurde. Aus Gruben wurden Seen, Angelgewässer, Badestrände, Natur. So sollte es bleiben. So wäre es schön gewesen. Doch der Fluch der Kohle hat noch einmal richtig ausgeholt und schlägt zurück. Die riesige Innenkippe wurde am Montag von der Bergbehörde gegen jedes Betreten gesperrt, inklusive Grubenausfahrt, die in Lohsa zwischen Gewerbegebiet GE 2 und der Straße Am Pflanzgarten bis an die S 108 heranreicht. Der Grundbruch in dem großen Areal vom 26. Dezember unweit des Dewitz-Steines ist ungeklärt. Das Grundwasser stand viele Meter unter der Oberfläche. Für die Bergbehörde galt das Gebiet als sicher. Ob das viele Oberflächenwasser mit Schuld ist, wird sich zeigen.

Davon gibt es derzeit jedenfalls mehr als genug. Litschen und Driewitz gehören zu den Orten in der Lausitz, wo der Bergbau mit in der Pflicht steht. Die alten Grabensystem waren vor Jahren untersucht worden. Und man bewertete, welche davon man wieder herrichten müsse und welche nicht. Die jetzige Situation zeichnet ein teilweise anderes Bild.

In Driewitz wurde bislang ein Graben wiederhergestellt, doch die Durchlässe an Straßen hatte man ausgespart. Das soll nun in diesem Jahr geschehen, sagt Ortsvorsteher Dietmar Sora nach der Expertenrunde. Der Grenzteichgraben ist ebenfalls dabei. Bürgermeister Witschas forderte, dass angesichts der Wichtigkeit für die Orte geprüft werden soll, ob auch in der Vegetationszeit gebaut werden könne. Auch in Litschen wurde schon etwas getan. Doch in der Gemeinde und den einzelnen Orten sieht man weitaus größeren Bedarf.

Deshalb soll es jetzt zwei weitere Vor-Ort-Termine geben, einen in Driewitz und einen in Litschen, um die Lage noch spezifischer betrachten zu können. Doch es ist klar, dass den Planungen stets auch auch aufwändige Genehmigungsverfahren folgen, bei denen gerade im Bereich Driewitz die Verwaltung des Biosphärenreservates ihre Belange durchsetzen konnte.

Isolde Kühn beobachtet das alles mit Spannung. Im LMBV-Gutachten von 2007 zu ihrem Haus steht, dass das Gebäude entweder angehoben werden müsste (dafür ist es jedoch nicht geeignet) oder der Keller gänzlich verfüllt werden muss. Ob die geplanten Gräben ihn trocken halten, weiß sie nicht.

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