Mit der Seilbahn durchs Seenland


von Tageblatt-Redaktion

1998 hat der österreichisch-schweizerische Seilbahnbauer Doppelmayr eine Gondelbahn für die Expo in Lissabon errichtet. In Senftenberg haben sich Studenten gefragt, warum das nicht auch im Seenland gehen soll. Foto: Doppelmayr Seilbahnen GmbH
1998 hat der österreichisch-schweizerische Seilbahnbauer Doppelmayr eine Gondelbahn für die Expo in Lissabon errichtet. In Senftenberg haben sich Studenten gefragt, warum das nicht auch im Seenland gehen soll. Foto: Doppelmayr Seilbahnen GmbH

So ein Bürgermeister, sagt Professor Peter Biegel, sollte immer den einen oder anderen Plan in der Schublade haben: „Falls ein Sponsor kommt oder es Fördergeld gibt, muss eine Idee vorhanden sein.“ Nun hat Biegel gleich im doppelten Sinne beruflich mit Ideen zu tun. Einerseits ist er der Chef der Lausitzer Technologiezentrum GmbH (Lautech Hoyerswerda/Lauta). Andererseits unterrichtet er auch angehende Ingenieure an der Hochschule Lausitz in Senftenberg. Und so kommt es, dass Studenten dort schon einmal darüber nachdenken, wie die Schwarze Elster attraktiver in die Stadtbilder von Senftenberg und Hoyerswerda einzubeziehen wäre oder wie passende Elektroboote für das Lausitzer Seenland aussehen müssten.

„Wir brauchen ein paar Dinge, die das Seenland im Wettbewerb mit dem Leipziger Neuseenland, den Berliner Gewässern oder der Mecklenburger Seenplatte noch attraktiver machen“, ist der Uni-Professor überzeugt. Also liegt jetzt unter anderem im Seenland-Projektbüro in Hoyerswerda diese 35-seitige Arbeit mit dem Titel „Untersuchungen zur infrastrukturellen Erschließung des Lausitzer Seenlandes mittels Sessel- /Gondelbahnen“.
Fünf von Biegels Studenten haben sich die Mühe gemacht, zum Beispiel sechs Linienführungen für Gondelbahnen zu untersuchen. Unter anderem, so dachten sie sich, könnte man doch gut vom Hoyerswerdaer Bahnhof zur Energiefabrik Knappenrode und weiter über den Knappensee sowie den Dreiweiberner See zurück nach Hoyerswerda quasi im Kreis fahren.

Henriette Körber, Christin Seidel, Marko Cremers, Michael Zimmermann und Sven Hoffmann haben sich die Sache nicht leicht gemacht. Sie haben sich zum Beispiel lohnende touristische Attraktionen und ihre Besucherzahlen angesehen, haben sich mit dem Unterschied von Pendel- und Umlaufbahnen oder mit der Europäischen Seilbahnrichtlinie auseinandergesetzt. Und nicht zuletzt gab es für Fragen der Umsetzung auch Kontakte zum Seilbahnhersteller Doppelmayr, den Skifahrer gut aus dem Alpen-Urlaub kennen. Erstes Ergebnis der Überlegungen: Mit den sechs Runden dürfte es vorerst nichts werden. Das Ganze wäre wohl zu teuer.

Allerdings haben sich die Studenten auch Alternativen ausgedacht, zum Beispiel Verbindungen zu den IBA-Terrassen, nach Großkoschen und zum Lausitzring, die sternförmig von Senftenberg ausgehen könnten. Für die knapp vier Kilometer lange Strecke nach Großräschen gab es sogar tiefere Untersuchungen. Ein Resultat: Ein Achter-Kabinenbahn-System dürfte schätzungsweise 11 Millionen Euro kosten. Jährliche Fixkosten in Höhe von 650 000 Euro dazugenommen, würde sich die Sache nach 13 Jahren rechnen – sofern man pro Fahrt 15 Euro kassiert und im Jahr 100 000 Leute mitfahren.

Peter Biegel und seinem Uni-Kollegen Jan Magister hat die Studie gut gefallen. Für die fünf Studenten gab es jedenfalls gute bis sehr gute Noten. Und auch Doppelmayr zeigte sich interessiert. „Die sahen dort gleich ein neues mögliches Geschäftsfeld“, sagt Peter Biegel.

Nun fehlen nur noch potenzielle Geldgeber. Doch Ingenieure sind von Hause aus Optimisten. „Wenn eine Idee gut ist, findet sich auch die Kohle, um sie umzusetzen“, ist zumindest der Professor überzeugt. Er sieht also durchaus eines Tages eine Seilbahn auch durch Hoyerswerda fahren. „Warum denn nicht“, fragt er – rein rhetorisch.

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