Landkreis kürzt bei der Jugendarbeit

Samstag, 15. Januar 2011

Der Landkreis kürzt bei der Jugendarbeit. Häuser wie das "Ossi" bekommen jedoch noch Gelder über die Jugendsozialarbeit hinaus.
Der Landkreis kürzt bei der Jugendarbeit. Häuser wie das "Ossi" bekommen jedoch noch Gelder über die Jugendsozialarbeit hinaus.

Als im November in der Lohsaer Mittelschule Schulsozialarbeiterin Kerstin Röse verabschiedet wurde, riefen ihr Schüler und Lehrer im Lohsaer „Heimatkurier“ bedauernd hinterher: „Schade, dass Du nicht bei uns bleiben kannst.“ Schuld seien aber „grundlegende Veränderungen“. Man kann es auch kürzer fassen: Schuld ist das liebe Geld –  oder wieder einmal sein Fehlen. So hat das Land Sachsen dem Landkreis Bautzen die Jugendpauschale um jährlich 306 000 Euro gekürzt. Voriges Jahr konnte er das noch selbst mit 256  000 Euro abfedern. Nun muss er aber als Konsequenz straffen.

Konkret bedeutet das zum Beispiel, dass für Hoyerswerda, Lauta, Lohsa, Spreetal und die Elsterheide aus Bautzen nur noch vier statt wie bisher neun Jugendsozialarbeiter finanziert werden können. Die Themenfelder Schulsozialarbeit, mobile Jugendarbeit und Familienbildung hat mit Monatsbeginn eine Mannschaft von Evangelischer Jugendarbeit, Christlichem Verein Junger Menschen Hoyerswerda und Familienbildung Bischofswerda übernommen. Der Kreis nennt sie „Sozialraumteam“, während es von der Stadt Hoyerswerda heißt, aufgrund der Größe der zu betreuenden Gemeinden könne es sich allenfalls als „Notfallteam“ entfalten.

Um dem entgegen zu wirken, hat die Stadt sich entschieden, selbst zusätzlich zwei Sozialmanager zu finanzieren. Sie sind ebenfalls seit Monatsbeginn bei der Regionalen Arbeitsstelle für Bildung, Integration und Demokratie RAA sowie bei der Bildungs- und Werbungsfirma PSW beschäftigt. Beide gehörten zu einer Gruppe von insgesamt acht Trägern, die im Sommer bei einem Interessenbekundungsverfahren des Kreises jenen Organisationen unterlag, die nun das „Sozialraumteam“ bilden. „Damit werden eine Grundversorgung gesichert und die Übergänge zwischen den Bildungseinrichtungen kontinuierlich gestaltet“, sagt Rathaussprecher Bernd Wiemer über die Sozialmanager.

Sie sollen nämlich vor allem in den Hoyerswerdaer Kitas, Grund- und Mittelschulen tätig sein. Trotz der Hilfe aus Hoyerswerda fehlen in der Stadtregion nun drei Jugendsozialarbeiter. „Eine Bewertung hinsichtlich einer Verschlechterung in der Jugendsozialarbeit kann noch nicht vorgenommen werden. Das heißt, Verluste sind gegenwärtig nicht erkennbar“, sagt Lautas Bürgermeister Hellfried Ruhland (Freie Wähler).

Der Hoyerswerdaer Stadt- und Kreisrat Ralph Büchner (Linke) hingegen prophezeit: „Es wird weniger Betreuung stattfinden  – auf jeden Fall in den Mittelschulen.“ Das sei einerseits problematisch, weil Angebote der Jugendsozialarbeit vor allem für sozial Schwache gedacht seien. Andererseits könnten wenig demokratisch gesinnte Kräfte jede Lücke für sich nutzen. „Die Rattenfänger holen die Kinder von der Straße und versorgen sie mit ihrem Gedankengut“, sagt Büchner.

Über die Jugendsozialarbeit hinaus schießt der Kreis Bautzen allerdings durchaus zusätzliches Geld für Kinder- und Jugendprojekte zu. Es profitieren zum Beispiel das Jugendhaus Lauta, Hoyerswerdas Jugendklubhaus „Ossi“ oder die KulturFabrik Hoyerswerda. Allein nach Hoyerswerda gibt der Kreis dieses Jahr hier noch einmal 165 000 Euro. Allerdings sagt Bernd Wiemer: „Gegenüber den Vorjahren ist hier eine deutliche Verringerung der Fördersumme zu verzeichnen.“ Und besser wird es wohl in keinem Fall. Wie bekannt, muss auch Hoyerswerda sparen. Gibt die Stadt dieses Jahr für Kinder- und Jugendprojekte noch 485 000 Euro aus, werden es nächstes Jahr lediglich noch 385 000 Euro sein. Konsequenz, so die Stadt, sind schon jetzt Gespräche über die Vermeidung von doppelten Angeboten. Wie zu hören ist, könnte es zum Beispiel durchaus sein, dass die Arbeit mit Tieren nicht länger sowohl im Kinder- und Jugendzentrum Natz als auch auf der Kinder- und Jugendfarm eine große Rolle spielen wird.

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