Kritischer Blick auf die Stadtentwicklung


von Tageblatt-Redaktion

Die Stadtmauer in der Schweitzerstraße soll praktisch zur Hälfte abgerissen werden. Das gehört zur Stadtentwicklung dazu.
Die Stadtmauer in der Schweitzerstraße soll praktisch zur Hälfte abgerissen werden. Das gehört zur Stadtentwicklung dazu.

Hoyerswerda nimmt sich beim Abriss von Wohnhäusern derzeit eine kleine Verschnaufpause. Der Leerstand liegt bei unter zehn Prozent. Und auch wenn der Wegzug aus der Stadt stark zurückgegangen ist, so wird er doch wohl anhalten und die Zahl der Sterbefälle die der Geburten weiter übertreffen. Planer Thomas Gröbe zeigte den Besucher der Bürgerinformationsrunde zum Städtebaulichen Entwicklungskonzept (Seko) am Mittwoch im Neuen Rathaus umfassend die absehbare Bevölkerungsentwicklung in Hoyerswerda für die nächsten Jahre auf.

Deutschland schrumpft, Hoyerswerda schrumpft. Im Jahr 2025 werden, wenn sich nichts Grundlegendes ändert, nur noch 27 300 Menschen in der Stadt und den Ortsteilen leben. Über die Hälfte von ihnen wird über 60 Jahre alt sein. Man wird wohl weiter Häuser abreißen müssen. Auch das ist ein Teil des Seko.

Die anwesenden Mieter der Häuser Bachstraße 30-34 und Semmelweisstraße 11-17 waren ziemlich sauer, dass sie nicht zuerst von ihrem Vermieter erfahren hatten, dass ihr Haus abgerissen werden soll. Sie hatten es in TAGEBLATT gelesen. Bei der Bürgerrunde wurde mehrfach bestätigt, dass das aber nicht die Wunschvorstellungen der Stadtverwaltung, sondern die Vorschläge der Großvermieter sind. Auf Verständnis stieß das bei den betroffenen Menschen freilich nicht, zumal es in beiden Fällen dem Abriss von außen nach innen widerspricht. Allerdings zeigt die Abrissdebatte der letzten 13 Jahre, dass Bewohner eines Wohngebäudes praktisch nie vom Abriss ihrer Behausung und dem damit einhergehenden Umzug begeistert sind.

Bei der Bürgerrunde wurde Tacheles geredet – so wie auch schon bei der Bürgerrunde zur geplanten Bebauung des Quartiers am Zoo. Angesichts des Stadtratsbeschlusses vom Dienstag bezweifelte allerdings Klaus Richter, Architekt im Ruhestand, dass die Gedanken der Bürger überhaupt in die Überlegungen mit einfließen. Mehrere der 50 anwesenden Bürger äußerten sich in dieser Richtung. Diskussionsleiter Dietmar Wolf wies darauf hin, dass nur schriftliche Stellungnahmen berücksichtigt werden können, die per Post oder E-Mail an die Verwaltung gerichtet werden können. Wer will, der kann aber auch bei der Bauverwaltung vorbeischauen und seine Gedanken notieren lassen.

Da könnte einiges zusammenkommen. Kritik gab es am geplanten Komplettabriss der „Stadtmauer“ in der Schweitzerstraße im Bereich der Aufgänge 18-22. Irritiert waren die anwesenden Vertreter der Bürgerinitiative für den Erhalt des Hochhauses am Knie, dass zumindest der mittelfristige Erhalt ihres Hauses zwar gedacht, aber gleichzeitig schwierig sei.

Die meiste Schelte gab es aber für die Perspektivlosigkeit, die man im Seko erkennen könne. Architektin Dorit Baumeister fehlt beispielsweise eine starke Vision für die Stadt. Sie meint, Hoyerswerda müsse so hip werden, dass wieder Leute hierher ziehen. Die Stadt brauche gar keine Industrie auf ihrem Territorium. Arbeitsplätze gebe es im mittleren Umfeld, und es sei absehbar, dass viele gut ausgebildete Arbeitnehmer demnächst in den Ruhestand gehen, junge Leute ihre Plätze einnehmen werden, aber eben auch gut wohnen wollen.

Das gleiche gelte für jene Menschen, die dem immer sichtbarer werdenden Fachkräftemangel beim Pflegepersonal entgegenwirken sollen.

Von verschiedenen Seiten wurde in der Runde am Mittwoch der Verwaltung zudem vorgeworfen, dass sie sich nicht um solchen Zuzug kümmere. Die Zusammenarbeit mit dem Industriepark Schwarze Pumpe lasse da ebenso zu wünschen übrig wie die Teilnahme an Fachsymposien. Seitens der Verwaltung wurde betont, dass das Aufzeigen von Entwicklung und Perspektiven Sache des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes sei, an dessen Fortschreibung ebenfalls gearbeitet wird.

Das Seko sei vor allem als Fördergebietskonzept für das Stadtumbaugebiet Hoyerswerda zu verstehen. Natürlich – es geht um Fördermittel für weitere Entwicklung und städtebauliche Aufwertung. Und Thomas Gröbe brachte mindestens zweimal in der Runde eine Bewerbung der Stadt für eine der nächsten Landesgartenschauen ins Gespräch. Dann könne man die Entwicklungsachse zwischen Schloss und Kühnicht gewiss besser voranbringen, und auch die aus den 1990er Jahren stammende Idee einer Fußgängerbrücke über die Schwarze Elster müsste nicht zu den Akten gelegt werden.

Das Seko liegt noch bis zum 16. Juli zur Einsichtnahme im Neuen Rathaus aus.

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Kommentare zum Artikel:

Gudrun Amler schrieb am

vielen Dank! Dieser Bericht war sehr informativ und hat mir sehr weiter geholfen.Bitte halten sie uns indem Fall Seko weiterhin auf dem laufenden! ;))

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