Katastrophenschutz für Zuhause


von Tageblatt-Redaktion

Jana Wolf, Leiterin des Rewe-Marktes im Lausitz-Center vor einem Großteil der Lebensmittel, die einer Person die Ernährung für zwei Wochen sichern sollen.
Jana Wolf, Leiterin des Rewe-Marktes im Lausitz-Center vor einem Großteil der Lebensmittel, die einer Person die Ernährung für zwei Wochen sichern sollen.

Ich habe nicht viel Zeit für den Hamsterkauf. Schnell muss es gehen. Man weiß ja nie, ob der Strom ausfällt. Und dann würden ja auch die elektronischen Kassen nicht mehr funktionieren. Ebenso wenig wie die Tankstellen. Dann ist es vorbei mit der Bevorratung. Also Einkaufswagen geschnappt und losgefahren. Zwei Kilogramm Wurstkonserven, 5,5 Kilo Gemüsekonserven, 3,5 Kilo Obstkonserven. Während alle anderen wie gewohnt ihren Einkauf machen, nach der Qualität schauen, sich Inhaltsstoffe durchlesen, arbeite ich nur meine Einkaufsliste ab.

Was hier draufsteht, empfiehlt das Bundesministerium für Verbraucherschutz als Vorratsliste. Wenn man von einem Gesamtenergiebedarf von 2 200 kcal ausgeht, soll das reichen, um sich zwei Wochen allein ernähren zu können. Also dann, wenn alles zusammenbricht, man nirgendwo mehr was kaufen kann, das Benzin nicht mehr bis dorthin reicht, wo das Leben noch normal läuft, keine Gaststätte mehr öffnet und man in der Bank wohl nicht einmal mehr an Bargeld herankommt, Telefon und Internet nicht mehr funktionieren. Ein irrer Gedanke. Aber angesichts der Tragödie in Japan ist er selbst oder gerade für die technisch so hoch entwickelten Ländern eben nicht abwegig.

Ich tue bei meinem Hamsterkauf nicht so, als wenn ich die volle Auswahl hätte, ich greife in die Regale, schaue nur auf die Lebensmittelgruppe und die empfohlene Kilozahl. Pumpernickel, Reis, Zucker, alles wandert in den Wagen. Am Ende noch die 24 Liter Wasser. Mein Einkaufswagen ist gefüllt – mit Berg. Ich fahre, was der Wagen und ich hergeben. Der Atem geht schon etwas schneller. Nach zehn Minuten bin ich fertig mit Shoppen und könnte zur Kasse eilen. Doch den letzten Schritt des Hamsterkaufs lasse ich aus.

Denn es ist ja kein Notstand in Sicht, der Hamsterkauf war nur eine journalistische Idee, die TAGEBLATT dank der freundlichen Unterstützung von Jana Wolf in dem von ihr geleiteten Rewe-Markt im Lausitz-Center umsetzen konnte. Und die knappe Einkaufszeit erzielte ich nur, weil eine freundliche Mitarbeiterin mit ihrem Detailwissen stets auf kürzestem Weg durch die Regalreihen eilte und ich bloß hinterherrasen musste.

In einem Nebenraum bauen wir schließlich den Hamsterkauf in einem Regal für das Foto auf. Da ist er, der Lebensmittelvorrat, der einem ganz allein zwei Wochen lang die Ernährung sichern soll. Schon das würde bei mir zu Hause die dafür gedachten Vorratsmöglichkeiten komplett ausreizen. Wenn ich das für meine Familie mal vier rechne und jetzt auch noch an Futter für die Haustiere denke, kommt mir nur noch ein Gedanke in den Sinn: Anbauen.

Auch Jana Wolf und alle anderen, die die Aktion mitbekommen, staunen über die schiere Menge an Dauerware. Das hat keiner zu Hause auf Vorrat stehen. Und dabei haben wir aus hygienischen Gründen schon auf das frische Obst, das Brot und die Kartoffeln verzichtet …

Später werden die Lebensmittel, die mehrere Monate oder auch Jahre haltbar wären, wieder fein säuberlich zurück in die Regale gebracht. Ich schaue mich um, sehe im Markt die leckeren frischen Dinge und denke an die anderen Supermärkte. Mir schwant, dass so ein Hamsterkauf von nur wenigen hundert oder meinetwegen auch tausend Menschen die entsprechenden Vorräte an haltbaren Dauerwaren in den Märkten komplett leeren würde.

Mein Fazit ist entsprechend ernüchternd: Meine Vorräte zu Hause reichen nicht für den Katastrophenfall und die Supermärkte hätten auf einen Schlag auch nicht genügend für alle da. Denn wir haben alles darauf ausgelegt, alles immer möglichst frisch dazuhaben – Vorräte anlegen ist aus der Mode.

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