Hoyerswerda soll sich wieder für Pumpe begeistern

Freitag, 20. Dezember 2013

Morgenröte oder Abenddämmerung - ein symbolischer Blick vom Vattenfall-Kraftwerk Schwarze Pumpe aus in Richtung Hoyerswerda
Morgenröte oder Abenddämmerung - ein symbolischer Blick vom Kraftwerk Schwarze Pumpe aus in Richtung Hoyerswerda

Noch einmal wollen die Gemeinde Spreetal sowie die von ihr und der Stadt Spremberg getragene Altstadtsanierungsgesellschaft ASG versuchen, bei der Entwicklung des Industrieparkes Schwarze Pumpe die Stadt Hoyerswerda ins Boot zu holen. „Wir können Hoyerswerda nur bitten, etwas gemeinsam mit uns zu tun. Wir haben den Blick nach Hoyerswerda durchaus, denn wenn Spremberg, Spreetal und Hoyerswerda gemeinsam auftreten, hat das natürlich eine ganz andere Kraft“, sagte vorige Woche Gerhard Hänel im Spreetaler Gemeinderat. Er ist Chef der ASG, die sich seit fünf Jahren um die Erneuerung der Infrastruktur im Industriepark kümmert und ab Januar im Auftrag des neuen kommunalen Zweckverbands dessen Management übernimmt. Dass es dabei schon länger institutionalisierte Kooperationen unter anderem mit Welzow, Drebkau, Neuhausen und Döbern gibt, aber eben nicht mit Hoyerswerda, war mehrfach negativ registriert worden.

 

Zwar gibt es die Hoyerswerdaer Neustadt nur, weil ab 1956 parallel mit dem Gaskombinat Schwarze Pumpe der Vorläufer des heutigen Industrieparks errichtet wurde, aber die Bindungen sind inzwischen mehr als locker. Als im OB-Wahlkampf dieses Sommers die Kandidaten Dirk Nasdala (Freie Wähler) und Ralph Büchner (Linke) meinten, man solle das Augenmerk wieder mehr in Richtung Norden lenken, keilte der CDU-Amtsinhaber und spätere Wahlgewinner Stefan Skora zurück: „Wir haben dort keine Planungshoheit!“


Hänel sieht durchaus, dass Hoyerswerda nicht unmittelbar an den Industriepark grenzt. Aber so, wie er es schildert, könne es etwa beim Straßenbau durchaus Hoyerswerdaer Belange zu berücksichtigen geben. Er verweist auch auf den Arbeitskräftebedarf, den die mittlerweile mehr als hundert Unternehmen am Standort haben. Mit den jährlich etwa 80 Spremberger Schulabgängern ist er jedenfalls nicht zu decken. „Wir werden noch einmal auf Herrn Skora zugehen“, sagte also Gerhard Hänel in Spreetal, und Bürgermeister Manfred Heine (parteilos) nickte heftig. Immerhin war Skora noch 2007 einem Projektbeirat zur Entwicklung des Standortes beigetreten. Man hörte danach nur nicht mehr viel davon. Zuletzt berichtete das Rathaus im vorigen Jahr von einer Teilnahme des OB an einem Unternehmerstammtisch in Schwarze Pumpe.

 

In den letzten fünf Jahren wuchs die Zahl der Arbeitsplätze dort um fast 900 auf mittlerweile 4 332. Ziel ist, die 5 000er-Marke in drei Jahren erreicht zu haben. Mit ansiedlungswilligen Unternehmen wird verhandelt. Hierauf kann die ASG in Zukunft noch mehr Augenmerk legen, denn die Infrastruktur-Erneuerung geht dem Ende entgegen. Mit den Straßen F und 10 sind allerdings noch die künftigen Hauptachsen im Industriepark zu sanieren. Auch eine direkte Verbindung von der Südstraße Spreewitz – Schwarze Pumpe zur Bundesstraße 97 soll es, beginnend in der Kurve am alten Bahnhof von Schwarze Pumpe, noch geben. Aber dann ist Schluss, wird die öffentliche Hand mehr als 100 Millionen Euro in Straßen, Schienen, Wasser- oder Abwasserleitungen gesteckt haben.


Zu lösen ist freilich noch immer die Frage, wie der wachsende Strombedarf gedeckt werden kann. Denn aus historischen Gründen ist die Energie-Versorgung derzeit mehr als ungeordnet. Man wird aber eine ordentliche Versorgung brauchen, wenn das gelingen soll, was Gerhard Hänel so beschreibt: „Wir müssen mit Hilfe der Braunkohle gleitend Wertschöpfungsketten schaffen, dass wir in 30 oder 40 Jahren eine mittelständische Struktur haben.“ Es soll langfristig also nicht mehr so wie jetzt sein, dass mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Schwarze Pumpe in nur einer Handvoll sehr großer Unternehmen tätig ist. Das hat nämlich den Nachteil, dass mit dem potenziellen Verlust von einem dieser Großunternehmen eben gleich sehr viele Jobs verloren gehen würden. Und dass das irgendwann passieren würde, ist klar. „Wir wissen doch, dass die Ressourcen endlich sind“, sagt Gerhard Hänel. Übersetzt soll das wohl heißen: Irgendwann ist die Braunkohle eben aufgebraucht.

Mehr zum Energie-Versorgungsproblem im Industriepark - hier:

https://hoyte24.de/newsreader2/Schwarze_Pumpe_braucht_neues_Stromnetz.html

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