Hoyerswerda ist Sandsack-Millionär


von Tageblatt-Redaktion

Das Hochwasserschutzlager Lohsa ist vorübergehend nach Hoyerswerda umgezogen.
Das Hochwasserschutzlager Lohsa ist vorübergehend nach Hoyerswerda umgezogen.

Sie sind die eiserne Reserve des Katastrophenschutzes. Die recht kleinen Säcke warten, jeweils zu 1 000 Stück leer aneinandergepresst, gebündelt und gestapelt auf Euro-Paletten, auf ihren Einsatz. Das kann morgen sein, nächste Woche, nächstes Jahr oder noch später. Sie sind Sandsäcke. Stabil, im Ruhezustand unbefüllt und gelten als bestes Material, wenn es mal wieder darum geht, bei Hochwasser Deiche zu verteidigen und Häuser vor Überflutung zu schützen.

Wenn sie zum Einsatz gekommen sind, dann werden sie anschließend vernichtet. Sie können wohl kompostiert werden. Rund eine Million davon werden im Hochwasserschutzlager in Lohsa vorgehalten. „Beim letzten Hochwasser im September haben wir 350 000 ausgegeben“, sagt Bereichsstaumeister Walter Schenk. Im August waren es 250 000. Doch da man sofort wieder Säcke nachorderte und Kommunen nichtgebrauchte Säcke zurückbrachten, hat das Lager jetzt 1,25 Millionen Sandsäcke auf Vorrat.

Und doch wird das Lagergebäude am Silbersee heute bis auf die Regale leer sein. Dann ist der letzte Sattelschlepper voll beladen nach Hoyerswerda gefahren und hat dort die Sandsäcke, Mobildeiche, Befüllhilfen, Kettensägen und Notstromaggregate zu einer Lagerhalle im Industriegelände gebracht. „Vorübergehend“, wie Walter Schenk sagt. Eigentlich sollte jetzt eine Garage auf dem Talsperrenmeistereigelände nur wenige Dutzend Meter neben dem eigentlichen Lager in Lohsa fertig sein. Die Kosten teilen sich die Landestalsperrenverwaltung und die LMBV. Doch der Bau begann zu spät oder der Winter kam zu früh – die Wände des Rohbaus sind noch nicht einmal zur Hälfte fertig. Und gebaut werden kann erst wieder, wenn es frostfrei ist.

Doch bereits ab 1. April soll die Ostböschung des Silbersees verdichtet, bergtechnisch gesichert werden. Also musste für den Lagerinhalt ein zusätzliches Ausweichquartier her. Man fand es in einer geräumigen Halle im Hoyerswerdaer Industriegelände. Sollte es in den nächsten Monaten in Ostsachsen wieder zu einem schweren Hochwasser kommen, können hier ebenso die Lkw vorfahren und ihre Ladung aufnehmen. Vielleicht ordert ja auch mal jemand die Mobildeiche und die Sandsackbefüllgestelle, die bislang keinen Ernstfall erlebten.
Ansonsten ist das Hochwasserschutzlager das, was es auch gern für lange Zeit bleiben könnte – die stille Reserve.

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