Hoyerswerda - "In Harmonie vereint"

Montag, 28. April 2014

Anschneiden der Geburtstagstorte
Dirk Rolka, neuer Geschäftsführer der Hoyerswerdaer Lausitzhalle (links) und deren Bühnenmeister Bernd Zobel mit einer kleinen Fee beim Anschneiden der Geburtstagstorte

Von Jost Schmidtchen

"Heute ist die Lausitzhalle das kulturelle Zentrum im Herzen des Lausitzer Seenlandes und der Stadt Hoyerswerda“. Mit diesen Worten begrüßte der neue Geschäftsführer des Hauses, Dirk Rolka, die Besucher am Sonnabend um 10 Uhr zur Eröffnung des Tages der Offenen Tür, der das 30-Jahr-Jubiläum des Hauses begleitete. Gleichzeitig stellte er die Mitarbeiter der Lausitzhalle vor. Waren es zu DDR-Zeiten rund 120, sind es aktuell 17.
Die musikalische Umrahmung zum Auftakt des Tages der offenen Tür erfolgte durch das Orchester Lausitzer Braunkohle in kleiner Besetzung unter der Leitung von Jan Teichert mit dem Marsch „In Harmonie vereint“. Einen besseren Titel konnten die Musiker wahrhaftig nicht auswählen, denn der ganze Tag zeigte, dass die Menschen der Region mit der Lausitzhalle in der Tat „in Harmonie vereint“ sind.

Noch während Bernd Zobel, der dienstälteste Mitarbeiter der Lausitzhalle, gemeinsam mit Dirk Rolka und weiteren kleinen Feen die Geburtstagstorte von Bäckermeister André Pieprz anschnitt, trafen sich im Foyer schon die Besucher für den ersten Rundgang, der einen Blick hinter die Kulissen der Lausitzhalle vermittelte; dort, wo sonst niemand hinkommt. Vier solcher Rundgänge gab es und schon frühzeitig waren sie ausgebucht. Aus Sicherheitsgründen konnten immer nur 20 Teilnehmer mitgehen. Ihnen vermittelte Bernd Zobel, der Mann, der den Musentempel vor über 30 Jahren von der technischen Ausstattung her mit aufgebaut hatte, vieles, worüber sonst kaum geredet wird. Aber zum Jubiläum, da darf man das. Aus der Historie ist beispielsweise überliefert, dass das „Haus der Berg- und Energiearbeiter“ wie die heutige Lausitzhalle damals hieß, anno 1984 eher fertig wurde als der Berliner Friedrichstadtpalast, das Renommier-Objekt der DDR.Deshalb untersagte die staats-inhabende SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) Presse, Funk und Fernsehen konsequenterweise jegliche Berichterstattung über das HBE.

Im Ballettsaal erlebten die Besucher des Rundganges Tanzdarbietungen des Lausitzhallen-Balletts. Diese Ballettgruppen und das Orchester „Lausitzer Braunkohle“ sind die einzigen Formationen der ehemaligen Volkskunst-Ensembles des Gaskombinates, die es noch gibt. Beide haben in der Lausitzhalle bis heute ihre Heimstatt. Weiter ging es, vorbei an den geöffneten Künstlergarderoben, ins Atrium, wo die reparierte Veranstaltungs-Bewerbe-Video-Wand im Probe-Betrieb ist. Ab dem 8. Mai kommt sie am Lausitzer Platz wieder zum Einsatz.
Im Großen Saal kam Bernd Zobel dann so richtig zur Sache: Er erläuterte das Sitzplatzangebot, die Akustik, die Feuerschutzwand und die Bühnengröße. Per Bühnentechnik erzeugte Illusionen einer Volksmusikkulisse, dank Drehbühne im ständigen Wechsel mit der Opernkulisse zu „Franziska Linkerhand“ inklusive Licht- und Toneffekten beeindruckten die Besucher nachhaltig; besonders, als sie selbst vor den Kulissen auf der Bühne standen. Dann ging es durch den Riesenfundus, wo es ein Wiedersehen mit den Weihnachtstannenbäumen ebenso gab wie mit den abgestellten Kulissen der Sinfonie- und Neujahrskonzerte. Wer Mut und Kraft hatte, folgte Bernd Zobel auf den 22 Meter hohen Rollenboden mit seiner beeindruckenden Technik. So etwas sieht man eben nur in der Lausitzhalle einmal hautnah.

Zum Tag der offenen Tür gab es für die Besucher ein Programmheft mit Erinnerungen und einem Veranstaltungsausblick bis Ende 2014 – und natürlich mit den kulturellen Darbietungen des Tages. Blasmusik, Gitarrenmusik, das „Long Street Orchestra“, Tanz, Chöre: die künstlerische Vielfalt Hoyerswerdas, die in der Lausitzhalle in unterschiedlichster Weise eine Heimstatt hat – das alle erfreute die vielen Besucher. So wie Familie Genzel aus Hoyerswerda: „Wir wohnen schon seit einem Vierteljahrhundert in der Stadt. Mit der Lausitzhalle verbinden uns die vielfältigen Veranstaltungsangebote, bei denen für Kindern beginnend. Schön, heute das Haus auch einmal von einer ganz anderen Seite erleben zu können“. Monica Wetzel und ihre beiden Freundinnen waren sogar schon 1977 bei der Grundsteinlegung des Hauses dabei. Frau Wetzel war Lehrerin, da mussten natürlich auch alle Kinder dabei sein. Die Männer arbeiteten im Gaskombinat. „Ich bin froh, dass Hoyerswerda so einen Musentempel hat. Heute wäre der Bau eines solchen Hauses in der Stadt eine Illusion. Seit 1984 besuche ich die Veranstaltungen. Die Programme können in ihrer Breite für jedermann bis heute besser nicht sein. Ich weiß, dass sich darüber auch die Künstler immer wieder lobend äußern. Es ist eben das angenehme familiäre Flair“.
Wie hieß doch der Eröffnungsmarsch zum Tag der Offenen Tür der Lausitzhalle? „In Harmonie vereint“. Stimmt(e)! Und das nicht nur am 30-Jahr-Sonnabend.

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