Hauptverkehrszeit für das Nervenkostüm


von Tageblatt-Redaktion

Schüler im Landkreis Bautzen, die den Bus nutzen, fahren mit regulären Linien. Schulbusse wie in den USA sind hier unbekannt.
Schüler im Landkreis Bautzen, die den Bus nutzen, fahren mit regulären Linien. Schulbusse wie in den USA sind hier unbekannt.

An manchen Wochentagen sind bei Klaus Föhlisch und seinen Kollegen gute Nerven gefragt. Vor allem in den Nachmittagsstunden. Dann geht es in etlichen Bussen der Regionalbus Oberlausitz GmbH und der Hoyerswerdaer Verkehrsgesellschaft mbH lauter und unruhiger als sonst zu. Dann, wenn in den Schulen der Unterricht vorbei ist und die Haltestellen vor den Schulen dicht bevölkert sind.

Da gleicht der Einstieg in den Bus nicht selten der Erstürmung einer Festung. Schubsen und Drängeln, kleine Kämpfe um die Sitzplätze. Geht es dabei gar zu laut zu oder kommt es zu Rangeleien, greift Föhlisch ein: mit mahnenden Worten. Via Lautsprecher. „In der Regel hilft das immer“, erzählt der 42-Jährige, der bei der Regionalbus Oberlausitz GmbH als Busfahrer arbeitet und mit seinem Bus täglich auch zahlreiche Schüler befördert.

Ein Dienstag. In der Mittagszeit, gegen halb eins, warten an der Haltestelle Kolpingstraße, die sich am Haus 2 des Lessing-Gymnasiums befindet, einige Schüler auf die Linie 155. Punkt 12.45 Uhr hält Föhlisch dort mit seinem Bus. Die Schüler steigen ein, halten ihm ihre Fahrausweise entgegen. Auch an den folgenden Stationen, am Bahnhof, in der Heine-Straße, ist die Zahl der zusteigenden Schüler überschaubar. „Man weiß um diese Zeit nie genau, ob es voll wird oder nicht“, meint Föhlisch, der seit 22 Jahren als Busfahrer arbeitet. Sieht also so aus, als ob auf dem Weg nach Lohsa, in seinem rund 15 Meter langen Fahrzeug etliche Sitzplätze frei bleiben werden. Gegen eins erreicht er den Lausitzer Platz.

Zwischen den Jugendlichen stehen einige Rentner. Das Durchschnittsalter im Bus steigt beträchtlich, der Lärmpegel hingegen nicht. Föhlisch erzählt von der „Rush hour“. Meint damit aber nicht die auf den Straßen, sondern die in den Bussen. Die Zeit zwischen 16 und 18 Uhr. Dann, wenn es eng wird und über 100 Menschen im Bus sind. Manche der Heranwachsenden müssen auf dem Weg nach Hause aber noch einmal umsteigen (siehe unten).

Manchmal kann es passieren, dass die Jugendlichen auf den Anschlussbus lange warten müssen. Im letzten Schuljahr und zu Beginn des neuen war dies zwischen Groß Särchen und Lohsa der Fall. Wegen Straßenbauarbeiten kam es im Bereich Koblenz/Mortka, so war vom Landratsamt zu erfahren, bis Ende September zu „Verzögerungen im Fahrplan“.

Föhlisch legt mit seinem Bus einen Stopp in Tiegling ein. Ein Blick auf die Uhr: keine Verspätung. Seine Nerven werden auf dieser Fahrt wohl nicht strapaziert. Nur eine Handvoll Schüler sitzt in seinem Bus. Aber bringt ihn das überhaupt aus der Ruhe, wenn es lebhaft zugeht in seinem Bus? „Nein, nein. Man muss aber auf die Jugendlichen eingehen können“, meint er. Ihre Launenhaftigkeit verstehen, ihre gelegentliche Aggressivität.

Er könne das ganz gut, erzählt er. Er habe ja drei Kinder, zwei davon „in einem kritischen Alter“, lacht er. Da wisse er, „wie es um die Gemütslage von jungen Erwachsenen bestellt ist“. Halt an der Lohsaer Mittelschule. Dann geht es weiter, Richtung Boxberg, zur Endstation von Linie 155. Ganz planmäßig.

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