Experimentierfeld für Hoyerswerdas Zukunft


von Tageblatt-Redaktion

In diesem Würfelhaus im WK X zieht im Sommer für drei Wochen künstlerisches Leben ein.
In diesem Würfelhaus im WK X zieht im Sommer für drei Wochen künstlerisches Leben ein.

Noch sind zwei der 18 Klingelschilder des Würfelhauses Otto-Nagel-Straße 52 im WK X beschriftet. Aber die letzten Mieter des Sechsgeschossers der LebensRäume-Genossenschaft werden ihn bald verlassen. Er soll in Kürze dem Stadtumbau zum Opfer fallen. Und doch versammelten sich in zwei Wohnungen im Erdgeschoss am Sonntag gut 30 Leute, um seine Zukunft zu planen. Vom 14. Juli bis zum 4. August wird unter Regie der KulturFabrik im Haus das Projekt „AusZeit – Nachdenken über H.“ stattfinden.

Die KuFa will es zum Experimentierfeld für Hoyerswerdas Zukunft machen. „Es geht darum, Initiativen, Vereine, Einzelpersonen, Experten des Alltags, einzuladen, das Haus in den drei Wochen ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten entsprechend zu nutzen“, erklärt Vereins-Geschäftsführer Uwe Proksch. Beim Auftakt am Sonntag ging es unter anderem um die Frage, wen man für die Belebung der sieben festgelegten „Labor“-Bereiche als Partner gewinnen könnte.

Gehen soll es um künftige Wohn- und Lebensformen, um gesunde Lebensweise, Kultur und Bildung, Wertkreisläufe, nachhaltige Produktentwicklung in Handwerk und Landwirtschaft, Infrastruktur sowie Kommunikation.

Das Themenspektrum kann von Bodenverbesserung und Stadtgärten über Regionalgeld und Grundeinkommen bis hin zu Internet, Verkehr und Energie reichen. Die Zuse-Akademie könnte etwa schon einmal „Probe-Seminare“ anbieten und die Strickfrauen vom Braugasse-Verein könnten zeigen, wie man Kleidung selbst macht. Im Grunde soll das schrumpfende Hoyerswerda mit all den Ideen vom Morgen, die seine Bewohner haben, möglichst facettenreich auf das Format eines einzelnen Hauses gebracht werden. Möglich sind Ausstellungen, Diskussionsrunden, Kunstprojekte, Film- oder Theater-Aufführungen.

Schulklassen und das Naturwissenschaftlich-Technische Kinder- und Jugendzentrum Natz haben ihr Interesse am Mittun bereits ebenso bekundet wie die Wissenschaftler Nina Gribat und Felix Ringel, die ihre Doktorarbeiten an englischen Unis jeweils über die kleiner werdende Stadt geschrieben haben. „Wir wollen Leute ’ranholen, ihre Ideen rauskitzeln“, sagt Proksch.

Eine Wohnung im Erdgeschoss soll für die drei Wochen eine Art Treff-Café werden. In der sechsten Etage soll eine Art Hostel für Gäste oder auch für zufällig vorbei kommende Radtouristen entstehen. Hier wird wohl auch Lotte Reitzner vom Partner-Zentrum „Schuhfabrik“ in Ahlen einziehen, die sich in Anlehnung an ihr Portrait-Projekt „Gesichter einer Stadt – Hoyerswerda 1977-1987“ (2007) mit einem neuen Buch, dieses Mal zur Gegenwart der Stadt, befassen will. Die KuFa plant auch, ihre diesjährige Picknickwiese sowie das zweite Amateurfilmfest in den WK X zu verlegen.

P.S.: Wer sich mit einem Baustein in einem der sieben Labore beteiligen will – bitte bei der KulturFabrik melden (Telefon: 03571 405980).

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