Energiefabrik startet in die Saison


von Tageblatt-Redaktion

Harald Paatz öffnete am Samstag das Tor zur Energiefabrik Knappenrode und damit zur Saison 2011.
Harald Paatz öffnete am Samstag das Tor zur Energiefabrik Knappenrode und damit zur Saison 2011.

So stellt sich der Sadist die Hölle vor: Man betritt einen tiefschwarzen Schlund, umgeben von Geräuschen, wie sie eine mittlere Feuersbrunst begleiten; flammfarben taucht aus dem Dunkel eine Schrift auf: „Heiss geliebt“; gleich darauf steht man in einem Saal, worin nichts als Öfen, Öfen, Öfen – und es ist bitterlichst kalt.

Jetzt verstehe ich, warum Besucherbetreuer Harald Paatz den vor den Gebäuden tobenden, in den alten Anlagen wunderlich jaulenden und pfeifenden Wind als „angenehm warm“ bezeichnet hat: Die Energiefabrik, das Bergbaumuseum, also auch die Feuerstätten-Ausstellung im alten Ofenhaus, im Winter nur sparsamst beheizt, ist dank der stetigen Luftzirkulation in den hohen Hallen mauertief ausgekühlt, muss erst langsam wieder Betriebstemperatur aufnehmen, strahlt winterliche Eisigkeit knapp oberhalb der Gefriergrenze aus.

Dafür wird’s hier im brennheißen Sommer angenehm frisch sein; und uns wird nach Verlassen der Ofenschau nicht nur im gefühlt frühlingshaft-lauen Stürmchen unfrostig zumute, sondern nachdem wir zügig die 120 Stufen des Treppenturmes erklommen haben, um dort das Prunkstück des Museums, den „Weg der Kohle“, nachzuvollziehen, ist die Kälte besiegt.

Man kann also bei einem solchen Museumsbesuch etwas für die Fitness tun – ab Ostern auch wieder als „Muskelmotor“ der Draisine. Außerdem sind die Attraktionen gut über das 25-Hektar-Areal verteilt – eben eine Eins-zu-Eins Wiedergabe des damaligen Betriebes.

Aber nun zu dessen Herzstück: Der Weg der Kohle zeichnet in der ehemaligen (Brikett-) Fabrik I nach, wie die Rohbraunkohle gebunkert, gesiebt, gehammermühlt, getrocknet und schließlich im Keller zu REKORD-Briketts gepresst wurde. Dazu werden drei Mal täglich einige Anlagen wieder in Betrieb genommen (freilich ohne Kohle), um dem vom Dachboden zum Pressenkeller herabsteigenden Besucher optisch und akustisch deutlich zu machen, wie es damals hier zuging.

Sonder-Effekte wie Video-Projektionen vom einstigen Schicht-Alltag untermalen den höchst informativ beschilderten „Weg der Kohle“, auf dem man erfährt, was „Hundehütten“ in der Brikettfabrik waren (niedrige Kontrollräumchen über den Bunkern); es gibt eine Auflistung aller Lausitzer Brikettfabriken seit 1866; es hat viel Nebenbei-Wissen – und der 1993 für immer unterbrochene Produktionsfluss wird höchst anschaulich erläutert. Allein dafür benötigt man gut eine Stunde. Aber die Energiefabrik hält ja noch weit mehr bereit (siehe Kasten und Bilder). Sprich: wer alles sehen und erleben will, muss einen ganzen Tag (mindestens) einplanen. Da sind die 5 Euro Eintritt (ermäßigt 3/ Familienticket 10 Euro) ein Schon-fast-geschenkt-Preis.

Energiefabrik Knappenrode –
Hoyerswerda (Ortsteil Knappenrode),
Ernst-Thälmann-Straße 8// G 03571 604267
Februar/ März und November/ Dezember:
Di-Fr 9-15 Uhr// Sa, So/feiertags 10-17 Uhr
April-Okto.: Di-Fr 9-17// Sa, So/ftgs 10-17 Uhr

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