Elsterheider Brücken sind in die Jahre gekommen


von Tageblatt-Redaktion

Sie hätte eine Sanierung am nötigsten - die Basler-Brücke überm Elster-Kananl in Neuwiese.
Sie hätte eine Sanierung am nötigsten - die Basler-Brücke überm Elster-Kananl in Neuwiese.

Von Anja Wallner

Manche Brücke über die Flussläufe der Schwarzen Elster in der Gemeinde Elsterheide sind in die Jahre gekommen und müssten in Teilen oder ganz und gar ersetzt werden. Gemeint sind hier die Bauwerke, für deren Erhalt die Kommune zuständig ist. Nun ist die Elsterheide – rein flächenmäßig gesehen – im Vergleich zu anderen Gemeinden mit der Anzahl „ihrer“ Brücken noch ganz gut dran. Und dennoch müssten hier schon längst allein 375 000 Euro investiert werden, um zwei marode Bauwerke wieder flott zu machen. Zwei Brücken, die „schwer im Magen liegen“ wie Bauamtsmitarbeiter Reiner Zschiesche es ausdrückt. Es handelt sich zum einen um die bereits seit mehreren Monaten gesperrte Radwegbrücke über die Schwarze Elster am „Brandenburger Tor“ sowie das umgangssprachlich „Basler-Brücke“ genannte Bauwerk neben dem Wehr am Ortsausgang Neuwiese.

Tropenholz kontra Lausitz-Klima

Im Fall der Radwegbrücke, ein Überbleibsel aus Tagebaubauzeiten, das vom Bergbausanierer LMBV erhalten worden ist, müsste der Oberbau erneuert und auch angehoben werden. Denn laut Berechnungen würde die Brücke mit ihrem aktuellen Ablaufprofil bei einem Hochwasser der Größe HQ 100 – die Pegelhöhe die im statistischen Mittel einmal alle 100 Jahre erreicht oder überschritten wird – ins Wasser tauchen. Man könnte hier einen komplett neuen Überbau in Alu-Bauweise errichten und die vorhandenen Träger nutzen. Auch andere Varianten sind denkbar, bei denen sich dann aber wieder die Frage nach dem zu verwendenden Material für den Belag stellt. Einheimische Nadelgehölze sind nicht sonderlich langlebig, das kann Reiner Zschiesche aus Erfahrung sagen. Der Kunststoff Reluma, der beispielsweise am Schiffsanleger Geierswalde zum Einsatz kam, ist aus Statik-Sicht eher ungeeignet (TAGEBLATT berichtete). Keinerlei Probleme hingegen gebe es mit Brücken aus – nicht unumstrittenem – Tropenholz, wie etwa im Fall der Radwegbrücke über die Elster bei Hoyerswerda. Um die 150 000 Euro würde die Instandsetzung der Brücke jedenfalls kosten. Geld, das die Gemeinde nicht mal eben auf den Tisch legen kann. Einen Straßenlastenausgleich würde es – weil Radweg – auch nicht geben.
Ohne die Hilfe von Fördermitteln geht es auch im Fall der „Basler-Brücke“ nicht. Die wurde noch vor dem 2. Weltkrieg gebaut und ist mittlerweile in ihrer Standsicherheit stark beeinträchtigt. Die Tonnagebegrenzung beträgt 2,5 Tonnen. Nicht zuletzt ist der Durchlass ebenfalls nicht HQ 100-geeignet. Für das Bauwerk gibt es bereits konkrete Neubaupläne. So ist wieder eine aus drei Feldern bestehende Betonkonstruktion mit zwei Stützpfeilern vorgesehen, ähnlich dem bestehenden bauwerk. Kostenpunkt: rund 225 000 Euro.

Bremsklotz: das EU-Programm Ile

„Wir treten hier auf der Stelle und kommen nicht weiter“, sagt Reiner Zschiesche. Denn als Kommune Fördermittel für Brückensanierungen zu bekommen, ist gar nicht so leicht – zumindest, wenn man wie die Elsterheide zur Gebietskulisse des EU-Förderprogramms zur ländlichen Entwicklung (Ile) gehört. Denn dann ist praktisch ausgeschlossen, dass die Kommune für den Brückenbau in andere Fördertöpfe greifen darf. Das Programm des Landes zum Kommunalen Straßenbau (KStB) beispielsweise ist Ile-Kommunen nur in Ausnahmefällen zugänglich, war aus dem Landratsamt zu erfahren. „Ausnahmen sind beispielsweise Beteiligungen an Maßnahmen anderer Straßenbaulastträger wie Kreuzungen oder Gehwege an Kreisstraßen“, so Sprecher Gernot Schweitzer mit Verweis auf mögliche Brückenbauförderung. Doppelt schmerzhaft: Für 2013/14 sind im KStB 85 Prozent der Brutto-Projektkosten förderfähig. Bei Ile sind die Fördersätze nicht so hoch, und da wird nur netto abgerechnet.

Warten auf Signale aus Brüssel

„Es gibt eine klare Abgrenzung, um Doppelförderung zu vermeiden“, begründet Falk Hofer, stellvertretender Sprecher des Landesumweltministeriums (SMUL), die Trennung der Fördermöglichkeiten. Ile-Kommunen müssten eben die Möglichkeiten im Rahmen des EU-Programmes abgreifen. Nur gab es nichts mehr abzugreifen, als die Elsterheide im vergangenen Jahr konkret für die Radwegbrücke eine Voranfrage für Ile-Mittel stellte. Die letzte Ile-Förderperiode lief 2013 bekanntlich aus, und das Geld war nahezu alle, so Dietmar Wolf, der Vorsitzende des Ile-Koordinierungskreises Lausitzer Seenland. „Es gab noch einen kleinen Nachschlag, rund 300 000 Euro, mit dem acht Projekte gefördert wurden.“ Neun weitere stehen aber noch auf der Warteliste. Die neue Förderperiode hat nicht sofort 2014 begonnen, auch wenn man das logischerweise annehmen würde, sagt Dietmar Wolf. Das SMUL wartet noch auf Signale seitens der EU, wie viel Geld wann zur Verfügung steht. Diese Signale werden wohl frühestens im Sommer gesendet. Dass das Ile-Geld alle ist, findet Falk Hofer prinzipiell gut. „Dann hat die EU keinen Grund, in der nächsten Förderperiode weniger auszureichen.“
Die Elsterheider Verwaltung will nun Wege finden, um wenigstens die schon zweimal geflickte Radwegbrücke in Ordnung zu bringen. Denn die hat eine enorme touristische Bedeutung als Radwegekreuz. „Und dem Tourismus fühlen wir uns verpflichtet“, sagt Reiner Zschiesche.
In der Zukunft wird sich die Verwaltung auch mit der Forstwegbrücke nahe der Kläranlage Bergen beschäftigen müssen. Die hat auch schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel und taucht bei Hochwasser noch stärker ein als die „Basler-Brücke“. Da die Forstwegbrücke unter Denkmalschutz steht, werde das ein „schwieriger Akt“, befürchtet Reiner Zschiesche. „Die Frage ist zu klären, ob die Brücke entbehrlich ist.“ Teilweise wird sie von Waldanliegern genutzt; eingeschränkt auch von der LMBV, die im Lugteichgebiet saniert, oder der Landestalsperrenverwaltung. Alternativrouten gibt es, doch dafür wäre zum Teil Wegebau nötig. Und auch die Lesbrücke in Geierswalde – ihre Verkehrsbedeutung ist jedoch gering – sowie die Brücke an der Wassenburger Mühle über den Alten Arm der Elster müssten eigentlich gemacht werden…

Beispiel Kummelbrücke

Die Elsterheide sollte es auf jeden Fall mit einem Ile-Antrag probieren, rät Dietmar Wolf und nennt als positives Beispiel die sogenannte Kummelbrücke in Groß Neida, die ihrerzeit auch mit Ile-Mitteln neu gebaut wurde.

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Kommentar ZUM TAGE

Elsterheide-Brücken
oder: Europa-Puzzle

Uwe Jordan

über drei scheinbar ganz
verschiedene Dinge

Stellen Sie sich mal vor, Sie haben einen Hallodri von Verwandtem, der Sie bei jeder Gelegenheit anpumpt. Meist versäuft er das Geld; günstigstenfalls schenkt er Ihren Kindern bisschen was zurück und lässt sich von denen dafür kniefällig feiern. Dass es aber doch Ihr Geld ist – wer wird davon reden wollen angesichts solch schöner Familienszenen?
Mal was anderes. Jammern auf hohem Niveau wird Deutschland gern im Aus- (und In-!)land bescheinigt. Manchmal zu Recht. Vor allem aber dann: Wenn es keine Strafen für Exportstärke zahlen will. Wenn es sich sträubt gegen WK-II-Wiedergutmachungsforderungen der Griechen (wie war das doch mit dem Gold der Juden von Thessaloniki?, das ging ja nicht aufs deutsche Kerbholz ...). Wenn es nicht noch mehr Fantastillionen, zuvörderst an die EU, abdrücken will.
Nochmal was anderes – die maroden Elsterheide-Brücken, siehe links. Da wird derzeit zwar nicht gejammert, aber auf „Signale aus Brüssel“ gehofft.
Jetzt die Schluss-Frage an Sie: Wie passt das alles hier wohl zusammen?

 

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