Einmal volltanken und einen Kakao, bitte!


von Tageblatt-Redaktion

Irina Volz gehört zum Hoyerswerdaer Tankstellen-Team von Mario Fehlisch
Irina Volz gehört zum Hoyerswerdaer Tankstellen-Team von Mario Fehlisch

So wenig wie Tchibo ein reiner Kaffee-Anbieter ist, so wenig beschränkt sich das Angebot der Aral-Tankstelle in Hoyerswerda auf Diesel und Super. „Vom Spritverkauf allein könnten wir nicht leben“, sagt Mario Fehlisch, der seit 1998 Tankstellen-Pächter ist. An der Aral-Tankstelle am Kamenzer Bogen in Hoyerswerda gibt es daher nicht nur Benzin und Diesel. Zum Angebot gehören auch eine Autowerkstatt, eine Waschanlage und ein Shop mit Zeitungen, Lebensmitteln, Zigaretten, Kosmetika. Die Preise sind deutlich höher als im Discounter.

„Ein Supermarkt kann das Brot für 45 Cent einkaufen und für 49 Cent verkaufen. Wir müssen ganz anders kalkulieren“, erklärt Fehlisch. Es gibt nur Markenprodukte und anders als im Supermarkt liegen nicht 15 Käsesorten im Kühlregal, sondern nur eine. Jeder Aral-Shop ist nach dem gleichen Schema aufgebaut, es gibt nur minimale Unterschiede, bedingt durch regionale Vorlieben. So steht in Hoyerswerda Rotkäppchen im Regal, in Hamburg ist es Freixenet.

Es gibt Schokolade, Chips, Butter, Zucker, Zahncreme, Windeln. Wem Samstagabend einfällt, dass er beim Wochenendeinkauf etwas vergessen hat, wird hier wohl fündig werden. Aber die Sonntags- und Spät-Einkäufer machen nur einen geringen Anteil aus. „Das meiste sind sogenannte Mitnahmeartikel“, erzählt Mario Fehlisch. Wer ohnehin tanken und zum Bezahlen in den Shop muss, der nimmt gleich noch die Zeitung oder einen Kakao für die Pause mit, statt extra am Supermarkt ranzufahren.

Der Bernsdorfer leitet drei Aral-Tankstellen: Königsbrück, Vetschau und seit zwei Jahren Hoyerswerda. Insgesamt gibt es in Deutschland noch knapp 14 400 Tankstellen. Die meisten, nämlich 2 400, tragen das blau-weiße Aral-Logo. Mario Fehlisch ist an jeder seiner drei Tankstellen ein bis zwei Tage pro Woche, von morgens um 6 bis nachmittags 17 Uhr. In dieser Zeit muss er Abrechnungen erledigen, neue Waren bestellen, den Schichtplan für die Mitarbeiter erstellen. Die Tankstelle ist 24 Stunden besetzt, von 22 bis 6 Uhr können Kunden über den Nachtschalter Shopartikel kaufen oder ihre Tankfüllung bezahlen.

Egal ob Tag oder Nacht, es kommt immer mal wieder vor, dass Autofahrer nach dem Tanken weiterfahren, ohne zu bezahlen. „Spritdiebstahl hat in den letzten Jahren zugenommen. Und die Leute werden auch immer dreister“, ärgert sich Fehlisch. Sie machen beispielsweise noch die Autoscheiben sauber, bevor sie davonfahren. Anzeige wird in jedem Fall erstattet. Bilder von der Überwachungskamera können den Diebstahl im Idealfall nachweisen.

Je teurer der Sprit, desto mehr Diebstahl scheint die simple Gleichung. Natürlich merkt auch Fehlisch am Umsatz, dass die Leute mit steigenden Spritpreisen seltener und weniger tanken. Auch die Grenzöffnung Richtung Osteuropa hat einen deutlichen Einbruch bewirkt. Lasterfahrer nehmen jetzt lieber den Umweg über Polen, um dort preiswert zu tanken. „Dafür verkaufen wir deutlich mehr PKW-Diesel als noch in den 1990er Jahren.“ In den letzten Jahren sind viele Autofahrer auf den günstigeren Diesel umgestiegen. Den Frust über die hohen Spritpreise bekommen vor allem seine Mitarbeiter hinter der Kasse zu spüren. „Sie können am wenigsten dafür, müssen sich aber den Ärger der Kunden anhören“, weiß er aus Erfahrung.

Wenig Begeisterung hat auch die Einführung von E 10 ausgelöst. Die Verantwortung für die bis heute geringe Akzeptanz für den Biosprit sieht Mario Fehlisch vor allem bei den Medien. „Als vor knapp zehn Jahren E 5, das heutige Super, eingeführt wurde, hat sich dafür niemand interessiert. Da sind fünf Prozent Biosprit beigemischt, bei E 10 zehn Prozent. Aber dieses Mal wurde das Thema durch die Medien regelrecht hochgeschaukelt.“

Aral hat auch mit der günstigen Konkurrenz zu kämpfen. Der Liter Super ist bei Aral teurer als bei den Discounter-Tankstellen. Denn auch hier hat das Unternehmen hohe Qualitätsstandards. Das heißt: „Durch spezielle Zusätze ist unser Benzin besser. Sie kommen mit 20 Liter Benzin von Aral weiter als mit 20 Liter von der Billigtankstelle“, erläutert Fehlisch. Der Kraftstoff ist auch an die Jahreszeiten angepasst. „Im Herbst haben wir auf höherwertigen Winterkraftstoff umgestellt“, sagt er. Er hatte manchen kalten Winter schon Kraftfahrer in der Werkstatt, denen der Diesel eingefroren war. „Das kann mit unserem Diesel nicht passieren.“

Auf die Spritpreise hat Mario Fehlisch übrigens keinen Einfluss. Die Preise an der Tanksäule und im Kassensystem werden direkt von der Aral-Zentrale in Bochum aus umgestellt. Zehn Minuten vor der Preisanpassung werden die Mitarbeiter über einen Ticker informiert. „Ich selbst habe nichts von hohen Spritpreisen“, erklärt er: Er bekommt einen Festpreis pro verkauftem Liter. „Insofern hätte ich nichts dagegen, wenn der Liter Diesel nur 30 Cent kostet.“ Ganz abwegig ist das nicht: 1971 hat der Liter Diesel im Schnitt 30 Cent gekostet …

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