Die Löcher zählt keiner


von Tageblatt-Redaktion

Andre Alexiewicz gehört zum Bauhof Hoyerswerda und repariert derzeit Schlaglöcher.
Andre Alexiewicz gehört zum Bauhof Hoyerswerda und repariert derzeit Schlaglöcher.

Es riecht. Nach Straße. Nach Teer. Auf der Kolpingstraße in der Hoyerswerdaer Altstadt hängt ein Geruch in der Luft, der nach neuer Straße schmeckt. Doch neu ist nur diese zähe schwarze Masse, die langsam aus dem Behälter des orangefarbenen Unimogs in ein kleines Schlagloch platscht. Der Straßenbelag ringsherum, er sieht ziemlich marode aus. Überall sind kleine Risse zu sehen. André Alexiewicz zeigt auf einen. „Der bricht nach dem nächsten Frost auf, durch den Straßenverkehr wird alles aufgerissen, entsteht wieder ein Loch“, erzählt er. Erfahrungswerte. Er greift zur Schaufel, verstreicht die schwarze Masse akkurat.

André Alexiewicz ist Mitarbeiter des Bauhofs der Stadt Hoyerswerda. In diesen Tagen ist er mit seinen Kollegen auf den Straßen der Stadt unterwegs, um die vielen Schlaglöcher, die Schnee und Eis hinterlassen haben, zu flicken.
Seine Kolonne besteht aus drei Fahrzeugen und sieben Kollegen. In der Kolpingstraße sind die Löcher im Straßenbelag schnell mit dem Heißmischgut gefüllt worden. Kurz darauf steht Alexiewicz vor einem kleinen Krater. „Hoffentlich ist hier noch keiner reingefahren“, meint er, als der Unimog vor einem 110 Zentimeter langen und knapp zwanzig Zentimeter tiefen Rechteck stoppt.

 Also wieder aussteigen, zu Schaufel und Stampfer greifen. Ein Schild am zweiten Fahrzeug warnt die Autofahrer, weist auf Straßenarbeiten hin. Der Winterasphalt, eine 180 Grad heiße Bitumenemulsion, verwandelt den Krater in eine Ebene. Ulf Scholz ist froh, dass man einen Thermobehälter hat. „Da bleibt das Gemisch warm“, so der Bauhof-Chef. Zwei Tonnen dieses Heißmischgutes hatte Alexiewicz am Morgen in Dresden geladen. Wenn man so will, ist das die Luxus-Variante des Notstopfens. In vielen anderen Gemeinden muss man sich mit Kalt-Asphalt begnügen.
Alexiewiczs Kollege Frank Koniarski klopft den Asphalt fest. Roland Kerstan vollendet das Werk mit seiner Rüttelplatte. Die verdichtet das Material. Damit der Flicken hält, wenigstens bis zum Frühjahr.

Es ist ein Knochenjob. In einem außergewöhnlichen Winter. „Kann mich nicht erinnern, dass wir so früh im Jahr schon so viele Schlaglöcher hatten“, so Alexiewicz.
Im Bauhof sind in den vergangenen Tagen viele Meldungen über Straßenschäden eingegangen. Von Einwohnern, vom Tiefbauamt. Wie schwerwiegend die Schäden sind, wo sofort gehandelt werden muss, beim städtischen Bauhof setzt man da nicht allein auf Kontrollfahrten, sondern auch auf die Erfahrungswerte der zurückliegenden Jahre. Niederkirchener-, Weinert- und Stauffenbergstraße sind besonders ramponiert, erinnern derzeit mehr an eine Mondlandschaft.

Die Kolonne steuert die Merzdorfer Straße an. Kurz hinter einer Verkehrsinsel machen die Fahrzeuge Halt. Die Autos fahren vorsichtig vorbei. „Ist auch schon vorgekommen, dass man uns anpöbelt“, so Alexiewicz. Aber in diesen Tagen, er hebt den Daumen und lacht, „sind 99,9 Prozent aller Autofahrer mit uns zufrieden“. Eine lose Bodenplatte. Die wird herausgerissen, das riesige Loch gereinigt. „Sonst hält die Füllung nicht“, sagt einer der Mitarbeiter. 100 Euro kostet eine Tonne dieses Winterasphalts. Weit über 150 Kilogramm fließen in das Loch. Doch die Zahl der Löcher ist schier endlos. „Die zählt keiner“, meint Alexiewiecz. Es geht weiter an diesem Tag für ihn und seine Kollegen. Zum nächsten Schlagloch. Denn was zählt, ist, dass Hoyerswerdas Autofahrer das Gefühl haben, auf halbwegs vernünftigen Straßen zu fahren.

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