Die Herrscher über das Licht


von Tageblatt-Redaktion

Nachts leuchten die 880 LEDs am Zuse-Hochhaus
Nachts leuchten die 880 LEDs am Zuse-Hochhaus

Mit 880 Leuchtdioden, verteilt über elf Stockwerke, kann man schon was darstellen. Zum Beispiel die Rechenschritte in einem alten Computer simulieren. Die Dioden müssen, von der Elektronik gesteuert, eben nur im richtigen Moment und der exakten Reihenfolge aufleuchten. Das hat was, wird auf die Dauer aber auch ein bisschen langweilig. Seit der Einweihung des Zuse-Hochhauses, wie der Elfgeschosser in der Virchow-Straße genannt wird, lief zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang ein und dieselbe Simulation als Endlosschleife. Bis zum 20. Dezember 2012. Seitdem ist alles anders. Die Dioden leuchten zwar immer noch auf. Aber plötzlich sah man förmlich Schneeflocken fallen, bunte Farbspielereien und in Laufschrift den Wunsch „Frohe Weihnachten“. Das kam gut an. Negative Reaktionen sind bislang jedenfalls nicht bekannt geworden.

Das freut die Wohnungsgesellschaft, der das Haus gehört. Und besonders freut es Paul Schöps und Thomas Noack, die beiden Mitarbeiter der EDV-Abteilung. Die sind nicht nur für die Rechner und Server der Firmenzentrale des Großvermieters zuständig, sondern auch für die Leuchtdioden am Zuse-Hochhaus. Die künstlerische Idee für die Dioden stammt vom Künstler Thomas Reimann, der die Skulptur Laptopper neben dem Hochhaus schuf. Eine Münchener Firma setzte die Idee um. Steuern kann man die Technik vor Ort. „Man benötigt nur das entsprechende Programm und die Idee“, sagt Paul Schöps. Die Idee, am Hochhaus etwas Neues zu schaffen, kam von der Geschäftsführung, erinnert sich Thomas Noack. Da musste für den Kauf des Programms und eines neuen Controllers kaum noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Bedienungssprachen sind Englisch und Chinesisch. „Ich bevorzuge Englisch“, lächelt Thomas Noack. Also fitzten sich der 44-Jährige und sein 20 Jahre jüngerer Kollege in das Programm ein, das durchaus einem klassischen Videoschnittprogramm ähnelt. Prinzipiell könnte man mit den 880 Leuchtdioden alles darstellen: Bildliche Motive, Grafiken, Schriften. Das Problem ist, dass es für aufwendige Grafiken zu wenige Dioden sind, die sich auch noch zu weit voneinander entfernt befinden. „Die Auflösung ist nicht doll“, sagt Thomas Noack. „Da mussten wir viel testen, ob es auch passt“, ergänzt Paul Schöps.

Eigentlich sollte ja über die Weihnachtsfeiertage eine flackernde Kerze in der Simulation zu sehen sein. Im Büro auf dem Bildschirm sieht das auch wirklich toll aus. „Aber vor Ort funktionierte es nicht“, bedauert Thomas Noack. Die Farbdarstellung der Leuchtdioden ist beispielsweise nicht so exakt, wie man sich das wünschen würde. Also verwarf man die Idee mit der Kerze wieder. Das mit der Schrift über mehrere Stockwerke funktionierte. Die beiden EDV-Profis speicherten ihr Fünf-Minuten-Programm auf einer Speicherkarte und fütterten damit die Schaltelektronik im Zuse-Hochhaus. Alles in allem hatte die Arbeit daran drei Arbeitstage gewährt. Acht Tage lief das Weihnachtsprogramm, dann erfolgte schon der nächste Wechsel. Die Hoyerswerdaer und ihre Gäste lasen fortan „Guten Rutsch ins neue Jahr“, sahen Konfetti und Feuerwerk. Seit dem 2. Januar läuft nun das aktuelle Programm aus Farbwechseln und Schneefall. Schrift gibt es derzeit keine.

Und in den kommenden Tagen wird auch keine dazukommen. „Wir lassen das jetzt erst einmal so laufen“, sagt Wohnungsgesellschafts-Sprecherin Petra Scholz. Denn auch wenn die Erstellung eines neuen Programms nun nicht mehr aufwendig ist wie beim ersten Mal, so will man jetzt doch nicht dauernd wechseln. Ostern wäre allerdings wieder ein schöner Anlass, sich etwas Neues einfallen zu lassen.

Bunte Ostereier und der Schriftzug „Frohe Ostern“ sollten für die Darstellung kein Problem sein. Die könnten dann auch optisch die Gäste im Congress-Hotel erfreuen. Immerhin ist die kurze Ära aus der Anfangszeit, da aus Rücksicht auf den Nachtschlaf das Zuse-Hochhaus in der Nacht aufhörte zu blinken, vorbei. Es hat sich auch niemand mehr beschwert, sagte Petra Scholz. Und so machen die 880 Leuchtdioden mit dem richtigen Programm Hoyerswerdas Nächte eben zuverlässig etwas bunter.

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