Denkmalsanierung in der Rosenstraße fast beendet

Dienstag, 17. Mai 2011

Petra Scholz von der Wohnungsgesellschaft und Architekt Frank Weißflog freuen sich über den Baufortschritt.
Petra Scholz von der Wohnungsgesellschaft und Architekt Frank Weißflog freuen sich über den Baufortschritt.

Saniert man ein altes Haus, dann muss man oft verdammt flexibel sein. „Es gab doch an sehr vielen Ecken Überraschungen“, sagt Frank Weißflog. Der Architekt des Hoyerswerdaer Büros „Architekturfreidenker“ hat sich im Auftrag der Wohnungsgesellschaft um Umbau und Modernisierung des Gebäudes Rosenstraße 1 gekümmert. Und hier handelt es sich um ein wirklich altes Haus. „Die Bauanträge stammen von 1890“, erläutert Weißflog, der eigens im Stadtarchiv war. Die Rosenstraße 1 ist nicht umsonst ein Denkmal.

Vor einem Jahr begannen die Sanierungsarbeiten nahe dem Elsterfließ. Nun sind sie fast vollendet. Im Juni sollen die Mieter einziehen können, erklärt Petra Scholz von der Wohnungsgesellschaft: „Es ist alles vermietet.“ Entstanden sind sechs Wohnungen, nach dem Auszug zweier Gewerbe-Mieter zwei mehr als zuletzt. Und Frank Weißflog hat penibel darauf geachtet, dass Alt und Neu auch zusammenpassen. „Das Haus ist energetisch recht effizient“, gibt er ein Beispiel.

Dabei ist nur die Rückfront gedämmt worden. Schließlich soll die aufwändig sanierte Vorder-Fassade in historischem Antlitz glänzen. Man hat hier zum Beispiel einen ursprünglich nicht vorhandenen Balkon demontiert. Doch die Wände des Hauses sind recht dick. Außerdem hat es neu Fußbodenheizungen sowie eine Raumluft-Anlage mit Wärmerückgewinnung erhalten. Deren Installation steht mittelbar im Zusammenhang mit einer der genannten Überraschungen.

1986 nämlich brannte der Dachstuhl des Hauses. Das war klar. Auch, dass erst danach aus dem Dachboden Wohnraum wurde. Unbekannt hingegen waren die Schäden, die das Löschwasser anrichtete. Konkret waren die Holzbalkendecken nicht zu retten. Also zog man neue Massivdecken ein, in die sich wiederum die von Anbeginn geplanten Fußbodenheizungen leichter integrieren ließen. Auch an anderen Stellen musste umgeplant werden. Als man etwa ein Stück Treppe entfernte, entdeckte man darunter ein riesiges Loch. „Bei solchen Bauten muss man das Projekt eben mehrfach überdenken“, erläutert Projektleiterin Brigitte Zeschke von der Wohnungsgesellschaft. „Hauptschwierigkeit war, unter diesen Umständen die Kosten einzuhalten“, fügt der Architekt an. Doch das ist gelungen.

Man hat im Gebäude die alten Türen aufgearbeitet und an der Vorderfront sind sogar die ursprünglichen Kastenfenster erhalten geblieben. Man hat auch die Klinker geputzt und durch die Entfernung von Farbanstrichen ursprüngliche Strukturen freigelegt. Ziel war die Annäherung ans Original. Ausnahmen sind die geräumigen Balkone an der Rückseite und das Dachgeschoss, dass ja erst 25 Jahre bewohnt ist. Hier gibt es nun eine Vier- und eine Zweiraumwohnung.

Die Treppe hinauf ist aus Stahl und über der Küche des größeren Appartements gibt es ein spitz zulaufendes Oberlicht. Der Bruch ist gewollt: unten 19. und oben 21. Jahrhundert. Bei der Wohnungsgesellschaft hat sich jemand gemeldet, der schon immer den Traum hatte, hier einzuziehen. Dieser Traum erfüllt sich jetzt. Als Mieter ist das wohl auch einfacher als vor 120 Jahren als Bauherr. Der, so Frank Weißflog, muss nämlich verdammt wohlhabend gewesen sein, was Räume mit Höhen von mehr als drei Metern und ursprünglich einmal außergewöhnlich geräumige, dann aber nach und nach wegen Nässe zugeschüttete Keller nahelegen. Sehr viele Häuser dieser Klasse hat Hoyerswerda nicht.

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