„Das sind keine Statisten, sondern die Hausbewohner“

Montag, 21. November 2011

Echte Hausbewohner spielten am Samstag die Verletzten bei der Bernsdorfer Feuerwehrübung.
Echte Hausbewohner spielten am Samstag die Verletzten bei der Bernsdorfer Feuerwehrübung.

Am Samstagmorgen ist die Welt für die am Bernsdorfer Fritz-Kube-Ring lebenden Menschen noch in Ordnung. Zwei Fahrzeuge von Polizei und Feuerwehr stehen auf einem der vor den Häusern gelegenen Parkplätze. Kaum einer beachtet sie. Doch mit der gewohnten Ruhe ist es bald vorbei.

9.45 Uhr: Einige Bewohner reißen ihre Fenster auf, schauen auf das gegenüberliegende Haus mit der Nummer 24. Aus einer Wohnung im dritten Stock dringt aus dem Lüftungsschacht Rauch. Auf der Straße bleiben nun Passanten stehen, fragende Blicke. Erst später wird sich klären, dass es sich nur um eine Übung handelt.

9.47 Uhr: Sirenen ertönen. Wenig später biegt das erste Löschfahrzeug der Bernsdorfer Feuerwehr in die Straße ein. Es wird nun laut am Kube-Ring. Dicht gedrängt stehen die Einsatzfahrzeuge bald vor dem Haus. Doch was ist los? Die eintreffenden Feuerwehrleute hasten nicht zum Einsatzort. „Wir sind doch hier nicht in einem amerikanischen Fernsehfilm“, meint Hartmut Stäps, der Vorstandsvorsitzender des WBG-Immobilienservice, dessen Unternehmen die Wohnblöcke am Kube-Ring verwaltet. Erklärungen für dieses Verhalten bekommt man in diesem Moment keine von den Wehrleitern, die sind beschäftigt. Hingegen erläutert Stäps, was hierzulande einen professionell ausgebildeten Feuerwehrmann auszeichnet: Ruhe und Gelassenheit. Tugenden, mit denen die rund 100 Einsatzkräfte an diesem Vormittag daran gehen, um in der im dritten Stock gelegenen Wohnung, aus der der Theaternebel immer dichter wabert, acht „verletzte Personen“ zu bergen. Personen, die sich in einem Haus befinden, in dem alte, kranke und behinderte Menschen leben und in ihrem Alltag unterstützt werden. Betreutes Wohnen.

10 Uhr: Am Himmel taucht ein ADAC-Rettungshubschrauber auf. „Das ist ja wie Reality-TV“, meint Stäps. Doch der gehöre nicht zur Übung. Der Hubschrauber sei, so hat Stäps erfahren, zu einem Unfall in der Stadt gerufen worden. Feuerwehren aus Bernsdorf und den umliegenden Ortsteilen sind nun eingetroffen, auch die aus Kamenz ist da. Den rund 200 am Kube-Ring lebenden Menschen wird nun eine Übung geboten, in der für die Rettungskräfte die Herausforderung darin besteht, „einen solchen Großeinsatz in einem dicht besiedelten Wohngebiet technisch durchzuführen“, wie es Stäps beschreibt. Eine weitere Schwierigkeit für die herbeigerufenen Feuerwehrleute: Die verletzten Personen befinden sich irgendwo in den Räumlichkeiten der vernebelten Wohnung, müssen gesucht werden. Mit Atemschutzgeräten geht es durch das Treppenhaus, von der Rückseite aus entern Feuerwehrleute die Wohnung über den Balkon. „Evakuierung durchs Treppenhaus“, ruft einer der Feuerwehrleute. So geschieht es dann auch.

10.05 Uhr: Der erste Verletzte wird gerettet. Rußverschmiert wird der Mann auf eine Trage gelegt und zum wenige Meter entfernten Sammelverbandsplatz gebracht, wo sich DRK-Einsatzkräfte um ihn und die anderen „Opfer“ später kümmern. Diese sorgen zunächst für Irritationen bei den Sanitätern. Es sind nicht die realistisch nachgestellten Verletzungen, nein, es ist die Tatsache, dass die Verletzten nicht von den üblichen Statisten gespielt werden, sondern von den echten Hausbewohnern, erzählt Stäps. Die habe er vor zwei Tagen gefragt, ob sie dabei sein möchten. Sogar ein Sehbehinderter mit Blindenhund macht mit. Zum Schluss kommt noch ein Hubsteiger der Kamenzer Wehr zum Einsatz.

Gegen 12 Uhr: Nach zwei Stunden ist die Übung beendet. Bei der anschließenden Kurz-Auswertung sei man mit dem Ablauf des Einsatzes zufrieden gewesen. Sicher habe es da und dort Probleme gegeben, aber, so Stäps, die „wird man sicher abstellen“. Moniert wurde, dass die überregionale Einsatzleitung des Landkreises „relativ spät am Einsatzort war“, so Stäps. Das seien Dinge, die angesprochen, verändert und beim nächsten Großeinsatz sicher verbessert würden.

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