Das Hoyerswerdaer Schloss ist ein Sanierungsfall


von Tageblatt-Redaktion

Im Schloss gibt es einen ordentlichen Reparaturstau. Fehlende Instandhaltung hat enorme Kosten auflaufen lassen.
Im Schloss gibt es einen ordentlichen Reparaturstau. Fehlende Instandhaltung hat enorme Kosten auflaufen lassen.

Ganze 10 000 Euro hat jüngst die Sanierung der Brücke zum Eingang des Hoyerswerdaer Schlosses gekostet. Ohne die Verfestigungs-Arbeiten hätte sie wohl gesperrt werden müssen. Und auch sonst ist am ältesten Gebäude der Stadt so einiges im Argen. „Der Zustand des Schlosses ist zumindest nicht gut“, sagt Carmen Lötsch, die Chefin der städtischen Zoo, Kultur und Bildung gGmbH. Sie hat es mit ihrer Gründung von der bisher verantwortlichen Stadt übernommen. Und weil es kein Übergabeprotokoll gab, hat Carmen Lötsch von ihren Technik-Leuten jetzt eine Bestands-Analyse anfertigen lassen.

Die Fotos, die sie gestern dem Aufsichtsrat präsentierte, zeigen das Ergebnis: Da sind zum Beispiel Dachrinnen verstopft, was den Regen über die Fassade laufen lässt. Resultat sind Putz- und Mauerwerksschäden. Im Gebäude finden sich an zahlreichen Stellen Risse und aus dem Keller zieht die Feuchtigkeit nach oben. Ergebnis: erste Stockflecken im Saal. Unterm Dach hängt ein Eimer. Denn dort, wo die Fahnenstange montiert ist, regnet es durch. Und dann wären da noch die rund 150 Fenster, über die Carmen Lötsch sagt: „Die machen mir am meisten Sorgen.“ Es fehlt in den meisten Fällen nicht nur ein ordentlicher Anstrich. Mitunter ist nicht einmal mehr Kitt vorhanden. Manche Fenster darf man nicht öffnen, weil die Flügel sonst abstürzen würden. Vor zwei Jahren hat die Stadt acht Fenster aufarbeiten lassen. Kosten: 10 000 Euro.

Das Schloss war von 1990 bis 2000 aufwendig saniert worden. Seither gab es kaum nennenswerte Investitionen. 2007 standen mal rund 11 000 Euro im städtischen Haushalt, 2009 mal 50 000 Euro. Doch selbst die 97 000 Euro aus dem Jahr 2008 reichten nur für eine neue Notstromanlage und notdürftige Maßnahmen gegen die Durchfeuchtung im Keller. Nun kommt dem Augenschein nach zwar kein neues Wasser mehr nach, aber die Wände sind weiterhin nass. Und während die Instandhaltung eher einer Notverwaltung als einem planvollen Handeln glich, mehrten sich natürlich Abnutzungserscheinungen.

Folglich ist heute das Parkett an vielen Stellen nicht mehr besonders ansehnlich, an Türen ist stellenweise die Farbe abgeplatzt und wer im Kaminzimmer nach oben schaut, der kann einen ziemlichen Riss im Stuck entdecken. Carmen Lötsch ist nun im Zugzwang. Der seit weiß wie langer Zeit lose Blitzableiter wird natürlich sofort repariert. Für alles andere gilt: „Wir werden jetzt prüfen lassen, was wie teuer ist und dann muss das Ganze in Jahresscheiben erledigt werden.“

Das Problem ist, dass die gGmbH nicht im Geld schwimmt. Sie war ja ausdrücklich zur Entlastung des städtischen Haushaltes gegründet worden. Also sagt Carmen Lötsch, sie werde die Stadt schon um einen Investitionskostenzuschuss bitten: „Es geht ja hier nicht um unsere Nachlässigkeit. Wir haben das Schloss so übernommen.“ Müsse die gGmbH das Ganze alleine stemmen, fügt sie an, würde das natürlich Auswirkungen haben. Die Reporter-Frage, ob dann womöglich die bekanntermaßen ebenfalls nicht ganz billige Modernisierung des benachbarten Zoos zu leiden haben würde, findet sie zumindest nicht abwegig.

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Kommentare zum Artikel:

der vom markt schrieb am

Es ist doch so wie es immer ist:.Das Geld reicht nicht!Da werden die billigsten Angebote angenommen ,ob dann Fachkräfte oder gutes Material zum Zuge kommen ,ist mehr als fraglich.Oft wird auch von Billigkräften gemurkst was das Zeug hält.Ergebnisse sind beispielhaft auf den Bildern zu sehen.Eine undichte Dachdurchführung,die versandete Dachrinne,angesetzte Mauer ohne Rißüberbrückung usw.,so etwas darf bei fachlicher Arbeit nicht passieren.Die Ursachen solcher Schäden liegen nur zum Teil am Alter des Gebäudes,sondern im Vorfeld der Auftragsvergabe.Fachliche Kompetenz ist wichtig.

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