Auf Patrouille im Seenland


von Tageblatt-Redaktion

2000 Kilometer haben die Seenwächter bislang jeder zurückgelegt.
2000 Kilometer haben die Seenwächter bislang jeder zurückgelegt.

Zugenommen haben sie – an Muskelmasse. Jürgen Fischer klopft auf seinen Oberschenkel. Dabei hatten er und Eberhard Heider angenommen, dass sie in ihrem neuen Job einige Kilo runterbekommen könnten. Bei dem Pensum! Schließlich sind sie in den vergangenen Wochen 2 000 Kilometer durchs Seenland geradelt. Die Lautaer machen bei einem Pilotprojekt mit, dessen Ziel es ist, Urlaubern den Aufenthalt im Seenland noch angenehmer zu gestalten.

Seit April sind 24 Ein-Euro-Jobber des landkreiseigenen Arbeits- und Sozialzentrums Kamenz auf den Wegen der im Spreetaler, Lohsaer und Elsterheider Gebiet liegenden Gewässer im Einsatz. Die Fahrradwächter sollen in der bis Oktober währenden Saison Ansprechpartner für Touristen sein, Tipps und Hinweise geben, auch in Sachen Sauberkeit aktiv werden. Besen, Kehrschaufel, Müllpicker und eine Plastiktüte für den Abfall hat der 60-jährige Heider immer dabei. Das in Rot gekleidete Duo fährt am Geierswalder Campingplatz vorbei. Grüße werden ausgetauscht. Man hat sich an die Seenwächter gewöhnt.

 „Bitte leinen Sie Ihren Hund an“, ruft der 54-jährige Fischer einem Radfahrer hinterher, der von einem riesigen Vierbeiner begleitet wird. Die Helfer sind täglich unterwegs, auch am Wochenende. Vor allem da. Dann „ist rund um die Seen eine Menge los“, so Fischer. In der Woche ist es auf den Wegen ruhiger. Sechs Stunden radeln sie auf ihren Touren. Im Zweischichtsystem: „Da kommt man am Tag schon auf 30 Kilometer .“

Auf dem Weg zum Barbara-Kanal werden sie von zwei Radfahrern überholt. „Sind Tschechen“, stellt der frühere Forstfacharbeiter Fischer fest. Ein Großteil der Gäste komme aus dem Nachbarland. „Die mögen unsere gut asphaltierten Wege“, meint Heider. Und: „Wer mit Rennrad oder Skatern an uns vorbeipfeift, der kennt sich hier auch aus“, so Fischers bisherige Erkenntnis. Für die, die mit der Gegend nicht so vertraut sind, gibt es Rat von den Seenwächtern und einen Flyer noch dazu. „Halt“, ruft Heider plötzlich.

Splitt liegt auf dem Weg. Er greift zum Besen. Auf dem Weg nach Klein Partwitz werden sie von einem Kleintransporter überholt. Ja, der dürfe hier fahren, erklärt Fischer. Er hatte schon einige unangenehme Erlebnisse mit Autofahrern. In Klein Partwitz sei einer, nachdem er ihn darauf hingewiesen habe, dass Autos und Motorräder nichts auf den Wegen zu suchen haben, einfach weitergefahren. „Der hat mir dabei fast den Fuß kaputtgemacht“, regt sich Fischer noch auf.

Manche rasten gar „mit 80, 90 Sachen hier lang“, hat er schon erlebt. Es sei eigentlich ein Wunder, dass bisher noch nichts passiert sei. Fischer: „Wenn die von der Polizei erwischt werden, wird es sehr teuer.“ Wenig später treffen sie auf die Beamten, die im Seenland täglich Streife fahren. Man tauscht sich kurz aus. Dass man mit den Fahrradpatrouillen, die ja als eine Art Service-Angebot für die hier urlaubenden Menschen gedacht sind, die Attraktivität des Seenlandes erhöhen will, halten beide für eine gute Idee. Fischer gibt zu bedenken, dass es immer noch am Wichtigsten fehlt: Hotels und Pensionen.

Wenn man die Leute länger hier halten wolle, müsse man einiges bieten, findet Heider. Dazu gehören seiner Meinung nach auch Gaststätten. Die wenigen, die es gebe, seien nicht einmal täglich geöffnet, schüttelt er den Kopf. In der Mittagszeit erreichen sie Klein Partwitz. Sie haben Hunger. Doch der Imbisswagen ist zu. Dicht ist auch das nur wenige Meter entfernte Informationscenter. Einige Urlauber sehen das Emblem auf den Shirts von Jürgen Fischer und Eberhard Heider: „Lausitzer Seenwacht“. Die Lautaer sind wieder gefragt. „Eigentlich haben wir hier einen tollen Job“, meint Jürgen Fischer. Einen, bei dem man ganz schön zulegen kann – an Muskelmasse.

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