17 Männer hoffen auf echte Jobs


von Tageblatt-Redaktion

Die Gesellschaft für Aus- und Fortbildung hat ihren Sitz in Hoyerswerda, bildet aber in Sabrodt aus.
Die Gesellschaft für Aus- und Fortbildung hat ihren Sitz in Hoyerswerda, bildet aber in Sabrodt aus.

Die Yados GmbH will expandieren und im Gewerbegebiet Nardt einen völlig neuen Standort aufbauen. Und die Firma sucht Fachkräfte. Zum 1. April 2012. Das hat sich herumgesprochen. Dutzende Leute haben Bewerbungen geschrieben. Etliche wurden abgelehnt, weil die Qualifikation nicht ausreichte, dieser oder jener Nachweis abgelaufen war.

17 dieser Leute machen sich nun Hoffnung, dass es über einen kleinen Umweg doch noch mit einem Job klappt. Niemand von ihnen will per Foto oder mit Namen in der Zeitung erscheinen. Sie haben alle schon eine Menge durchgemacht auf dem Arbeitsmarkt, mit der Arbeitsagentur, dem Jobcenter, mancher weiß auch, was es heißt, von einer Zeitarbeitsfirma vermittelt die gleiche Arbeit wie der festangestellte Kollege nebenan zu erledigen und doch nur einen Teil dessen Gehaltes zu bekommen. Es sind Männer zwischen Ende zwanzig und Mitte fünfzig, die einen Job wollen, einen richtig sozialversicherungspflichtigen und der nicht gleich nach einem halben Jahr zu Ende ist.

Yados und die Gesellschaft für Aus- und Fortbildung (GAF) arbeiten derzeit mit dem Jobcenter daran, dass aus diesem Wunsch etwas wird. Das Prinzip ist relativ einfach, wie Isolde Schley, Sachbearbeiterin Weiterbildung bei der GAF schildert: Die GAF übernimmt die Rolle des Jobscouts, testet quasi in einer vom Jobcenter finanzierten Maßnahme Bewerber, die anschließend ein zweiwöchiges Praktikum bei Yados absolvieren.

Dann gibt es drei Möglichkeiten: Entweder passen Bewerber und Firma so gut zueinander, dass gleich ein Arbeitsvertrag abgeschlossen wird, oder es sind noch individuelle Weiterbildungen erforderlich, die, so hofft GAF-Geschäftsführer Dr. Lutz Modes, dann auch vom Jobcenter finanziert werden – und dann gibt es einen Arbeitsvertrag. Denn ohne das Jobcenter wird es wohl keine Weiterbildung geben. Die dritte Option wäre, dass es zwar keinen Vertrag bei Yados gibt, dafür der Mitarbeiter aber anderen Firmen wärmstens empfohlen wird. „Wir bilden nicht für Yados aus, sondern für den Markt“, sagt Lutz Modes, der sich sehnlichst wünscht, dass aus diesem aktuellen Modell tatsächlich echte Jobs erwachsen.

Anfang Oktober gab es eine erste Info-Veranstaltung. „Wir hatten mit zwanzig Leuten gerechnet“, sagt Lutz Modes. Dann kamen aber 72. Einige Tage später stellte sich heraus, dass von diesen 72 aber nur 17 gewillt waren, den angedachten Weg mitzugehen. Sie wurden in zwei Gruppen eingeteilt. Fünf Wochen lang fuhren die ersten sieben jeden Tag zur GAF-Ausbildungsstätte nach Spreetal. Sie erwarben hier praktisch keine neuen Fertigkeiten, aber die GAF guckte auf Pünktlichkeit, Arbeitsmoral und prüfte grundlegende Fähigkeiten. Viel Metallbearbeitung war dabei. Einige der Teilnehmer kannten das von anderen Trainingsmaßnahmen und sprachen es in der Endauswertung entsprechend deutlich an.

Einer der sieben wird nun eine Berufsausbildung absolvieren, die anderen haben ihre Empfehlung für die innerbtriebliche Trainingsmaßnahme bei Yados in der Tasche. Im Januar werden sie die zwei Wochen absolvieren. Dann sind noch zwei Monate bis zum geplanten Einstellungsstart. Zeit genug, um beispielsweise einen Befähigungsschein für das Wolfram-Inert-Schweißen abzulegen.

Sowohl die sieben Teilnehmer des ersten Kurses als auch die GAF-Leute wissen, dass es noch nie eine derart projektbezogene Maßnahme gab. Die Männer werden im Januar ihr Bestes geben. Doch einer von ihnen, der seit Jahren keine feste Arbeit hatte, sagt, was alle denken: „Ich glaube das erst, wenn ich einen Arbeitsvertrag habe.“

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