Der Knappensee-Angler von der Postkarte fürchtet um den See


von Tageblatt-Redaktion

Vor wenigen Tagen erschien diese Postkarte. Sie zeigt eine idyllische Stimmung, wie es sie schon bald nicht mehr geben wird. Für wenigstens drei Jahre See-Sanierung lang nicht – vielleicht aber auch für immer. Repro Mirko Kolodziej
Vor wenigen Tagen erschien diese Postkarte. Sie zeigt eine idyllische Stimmung, wie es sie schon bald nicht mehr geben wird. Für wenigstens drei Jahre See-Sanierung lang nicht – vielleicht aber auch für immer. Repro Mirko Kolodziej

Momentan trügt der Schein wohl etwas, denn diese Postkarte sieht unglaublich idyllisch aus. „Na ja, hier hinten ziehen ja schon dunkle Wolken auf“, sagt Rico Gläßer und betrachtet die Karte aus der frisch gedruckten Serie des Hoyerswerdaer Wochenblatt Verlages. Man sieht den Knappensee in der Morgendämmerung, darauf einen Kahn mit einem Angler, der seine Angel auswirft. Der Angler ist Rico Gläßer. Seine Frau Marlen hatte die Postkarte bei der Seenland-Messe entdeckt, sofort Mann und Boot erkannt. Die „Laura“, benannt nach der achtjährigen Tochter der beiden, ist Marke Eigenbau. Ein Chemnitzer hat sie vor einem Jahrzehnt zusammengeschweißt.
Am Anfang stand ein Urlaub
Gläßers kauften das Boot, als sie 2005 aus Gera nach Groß Särchen umzogen, um hier im Ferienpark als Platzmeister und Campingmanagerin anzufangen. Zudem gibt es gegenüber vom Sunshine-Park auch noch einen privaten Bootsverleih. Schuld ist die Liebe zum Knappensee. Rico Gläßer entdeckte sie recht früh. 1972 kam der damals sechsjährige Zschopauer mit seiner Familie zum ersten Mal hierher, um Urlaub zu machen. Seitdem kam er immer wieder – vor allem auch, um zu angeln. „Der See ist voller Fisch“, sagt er. Er hat hier schon einen 32 Kilo schweren Karpfen gefangen und seine Frau einen mehr als einen Meter langen Hecht. Tochter Laura hat eben den Jugendfischereischein gemacht.
Als Marlen Gläßer auf der Seenland-Messe die Postkarte ins Blickfeld geriet, zückte sie natürlich sofort das Telefon. Sie erreichte ihren Mann auf dem Knappensee. Er saß in der „Laura“ und angelte. Dabei isst er gar keinen Fisch. „Aber Freunde und Verwandte freuen sich. Ich bereite ihnen den Fisch auch zu“, sagt Rico Gläßer. Er genießt die Ruhe auf dem Gewässer, besonders morgens. Die komplette Familie hat bereits auf der „Laura“ genächtigt. Sie ist mit 7,50 Metern Länge recht geräumig. Es gibt sogar einen Grill und einen Fernseher.
Doch seit dem 18. Mai ist es zumindest mit der inneren Ruhe erst einmal vorbei. An jenem Tag wurden die Pläne zur bergtechnischen Sanierung des Knappensees bekannt gemacht, in der Aula jener Schule, die Tochter Laura besucht.
Leben im Sicherheitsbereich
Seither ist klar: Für mindestens drei Jahre wird der See gesperrt. Dass Angeln dann nicht möglich sein wird, ist das geringste Problem. Mit der Sperrung der Wasserfläche dürfte der Tourismus am See wohl zum Erliegen kommen. „Das Ganze ist existenzbedrohend. Wir verlieren unsere Jobs, ich kann das Gewerbe abmelden und wir müssen aus unserem Haus“, sagt Rico Gläßer. Er wohnt mit seiner Familie in einem Haus, das in jenem Sicherheitsbereich liegt, der während der Sanierung nicht betreten werden darf.
Ist das Tabula rasa nötig?
Rico Gläßer ist ein großer, stämmiger Mann. Man denkt, dass einen wie ihn wohl so schnell nichts umhaut. Und doch spricht der Angler von der Postkarte von Ängsten: „Im Moment wissen wir nicht, was werden wird.“ Und das geht auch anderen so. Rico Gläßer erzählt, dass manche am Knappensee hoffen, den Sanierern möge das Geld ausgehen. Es gibt hier viele, die sich fragen, ob das Tabula rasa wirklich nötig ist. Es sieht danach aus, als wäre es mit der Postkarten-Idylle so langsam wirklich vorbei.
Die Postkarten des Hoyerswerdaer Wochenblatt Verlages mit Motiven aus der Stadt sowie dem Lausitzer Seenland können Sie im SZ-Treffpunkt im Lausitz-Center kaufen.

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