An der Geschichte des Industrieparks mitgeschrieben


von Hoyte24 News

Foto: Mirko Kolodziej

Hoyerswerda. Den Bogen zwischen einem 70-jährigen und einem 30-jährigen Jubiläum schlägt eine Ausstellung, die der Freundeskreis für Energie- und Bergbaugeschichte aktuell im Lausitz-Center zeigt. Dessen Eröffnung am 31. August 1995 fiel auf einen 40. Jahrestag, denn am 31. August 1955 begannen sowohl der Bau des Kombinates Schwarze Pumpe wie auch parallel die Erweiterung der Stadt Hoyerswerda. Und so wird an diesem Wochenende nicht nur an der Schwarzen Elster gefeiert, sondern auch gut ein Dutzend Kilometer nordöstlich der Stadt.

Es ist Ehrensache, dass Jürgen Podszun aus Bergen am Sonnabend zum Tag der offenen Tür in den heutigen Industriepark Schwarze Pumpe fährt. Der 67-Jährige hat dort, wenn man so will, ein Stück der 70 Jahre Geschichte mitgeschrieben, und zwar ganz speziell an einem Ort, für den im November 1956 Baubeginn war; und den man damals Zentralwerkstatt nannte. Die typischen Sägezahndächer der historischen Hallenbauten kennt jeder, der mehr als einmal in Schwarze Pumpe war.

Quelle: Freundeskreis Energie- und Bergbaugeschichte

Jürgen Podszun, aufgewachsen in Finsterwalde und studierter Fördertechniker, begann seine Laufbahn in der Braunkohle zunächst in der Forschung. IBK hieß das Institut in Spreetal. In die Hauptwerkstatt kam er erst, nachdem mit dem Ende der DDR auch der Aderlass im Bergbau begonnen hatte und die Kohleforschung - wie damals das Schlagwort hieß – abgewickelt werden musste. Er blieb bis zum Ruhestand im Herbst 2023, erlebte hier zunächst den Übergang von der unter Rheinbraun-Führung stehenden Lausitzer Braunkohle AG Laubag zu Vattenfall Mining und schließlich 2016 zur Lausitz Bergbau Energie AG Leag.

Podszun kann einem zum Beispiel recht anschaulich erklären, auf welche Weise man es schafft, dass die Eimerkette eines Kohlebaggers nicht schon nach der Förderung von fünf Millionen Tonnen in die Instandhaltung muss, sondern zwischen zwei Wartungsperioden 25 bis 30 Tonnen Rohbraunkohle fördern kann. Der Einsatz verschleißfesterer Materialien und verbesserte Schmierung der beweglichen Teile haben einst zur Erhöhung der sogenannten Liegedauer geführt.

Die Hauptwerkstatt war für alles verantwortlich, was gewartet oder repariert werden musste – von der Elektronik der Schienenfahrzeuge aus dem Kohlebahnbetrieb über Getriebe und Pumpen bis hin zu Motoren. Es war 2015, als Jürgen Podszun hier die Leitung übernahm, der Chef von hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde. Beim Tag der offenen Tür, heißt es vom Industriepark-Management, wolle man den Wandel vom Standort der Kohleveredlung zu einem modernen Industriezentrum erlebbar machen. Für Podszun und seine Kollegen begann er mit einem Betriebsprogramm namens Leag plus. Gefragt waren Ideen aus der Belegschaft, wie es nach dem Ende der Kohleveredlung weitergehen könnte.

Es entstand die Idee vom Kompetenzzentrum für Instandhaltung. Und so wurde unter Jürgen Podszuns Führung in der Hauptwerkstatt die MCR Engineering Lausitz GmbH etabliert, der Bergener übernahm die Geschäftsführung. Die drei Buchstaben stehen für Maintenance, Construction und Railway, also Wartung, Konstruktion sowie Eisenbahn. Der Gedanke, vom bisherigen internen Dienstleister eines Bergbau-Unternehmens zum selbstständigen Entwicklungs-, Planungs-, Konstrukions- Produktions- und Vertriebsunternehmen auch für andere Kundschaft zu werden, hat sich inzwischen bewährt.

Foto: Mirko Kolodziej

Schwerpunkt ist die Schienenfahrzeuginstandsetzung, wobei der Anteil der Leag-Fahrzeuge inzwischen unter jenem liegt, den andere Firmen in Schwarze Pumpe warten lassen. MCR bietet aber auch Stahlbau an oder repariert Spezialgetriebe. Immer mal wieder fallen Sonderanfertigungen auf, etwa eine Watanlage, mit der Panzer auf Dichtheit geprüft werden, eine Containerlösung für mobile Umspannwerke oder eine Laser-Schweißanlage. Jürgen Podszun ist im Wesentlichen auf dem Laufenden geblieben. Er trifft sich regelmäßig mit seinem Nachfolger Stefan Hotz.

Am Sonnabend aber wird unter anderem Gelegenheit sein, wieder einmal etwas genauer in jene Werkstattbereiche zu schauen, in die Podszun seit seinem Ausscheiden vor knapp zwei Jahren nur sporadisch mal einen Blick geworfen hat. Begleiten werden ihn unter anderem seine beiden Enkel. Der ältere bastelt zusammen mit seinem Opa und seinem Vater schon an Mopeds herum. Es klingt durchaus ein kleines bisschen danach, was bei MCR in Schwarze Pumpe Alltag ist.

Mirko Kolodziej

Der Tag der offenen Tür im Industriepark am Sonnabend dauert von 10 bis 16 Uhr.

Foto: Mirko Kolodziej


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